Fusion : China steigt in die Hightech-Landwirtschaft ein

Der Chemiekonzern ChemChina will den großen Schweizer Saatguthersteller Syngenta übernehmen.

Syngenta produziert Pflanzenschutzmittel und Saatgut.
Syngenta produziert Pflanzenschutzmittel und Saatgut.Foto: AFP

Es wäre die bisher teuerste chinesische Firmenübernahme im Ausland: Der Chemiekonzern ChemChina will den Schweizer Agrarchemie-Unternehmen Syngenta für 43 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 39,2 Milliarden Euro) übernehmen. Bis zum Ende des Jahres solle der Deal abgeschlossen sein. Wenn Aktionäre und Behörden zustimmen, könnte das Staatsunternehmen zu einem wichtigen globalen Mitspieler in der Branche werden. Es ist auch ein wichtiger Schritt in der Strategie Chinas, die Entwicklung seiner Landwirtschaft durch moderne Methoden wie Biotechnologie voranzubringen.

Der Syngenta-Verwaltungsrat empfiehlt den Anteilseigner, der Offerte zuzustimmen

Die China National Chemical Corporation – kurz ChemChina – bietet 465 US-Dollar je Aktie zuzüglich einer Sonderdividende von fünf Franken, berichtete der Konzern in Peking. Das Angebot entspricht 480 Franken je Aktie. Der Syngenta-Verwaltungsrat empfahl den Anteilseignern einstimmig, das Angebot der Chinesen anzunehmen. Experten begrüßten das Übernahmeangebot, berichtete die Schweizer Nachrichtenagentur sda. ChemChina sei bereit, das Sechsundzwanzigfache des letztjährigen Gewinns zu bezahlen. Auch für den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung von Syngenta sei die angestrebte Lösung akzeptabel, weil sie die operative Eigenständigkeit des Unternehmens sichere.

Womöglich wird es einen langen Genehmigungsprozess in der EU und den USA geben

Das Vorhaben muss aber möglicherweise einen langwierigen Genehmigungsprozess in der Europäischen Union und den USA durchlaufen. Eine Kernfrage ist, ob das amerikanische Komitee für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) zustimmen muss. Das Aufsichtsgremium, das Übernahmen auch unter dem Gesichtspunkt der nationalen Sicherheit prüft, gilt als nicht besonders chinafreundlich. Syngenta macht schätzungsweise ein Viertel seines Umsatzes in den USA.

Mit ChemChina soll Syngenta stärker in China Fuß fassen

ChemChina will Syngenta helfen, in China und anderen aufstrebenden Märkten stärker Fuß zu fassen. Sein Chef Ren Jianxin sagte: „Wir werden weiter an der Seite des Managements und der Beschäftigten von Syngenta arbeiten, um den Wettbewerbsvorsprung in der weltweiten Agrartechnologie zu wahren.“ Nach Vollzug der Übernahme soll Ren Jianxin dem zehnköpfigen Verwaltungsrat vorstehen. Dem Gremium sollen dann noch vier der aktuellen Verwaltungsräte angehören.

Syngenta will seine Position als Weltmarktführer ausbauen

Der Syngenta-Vorstandsvorsitzende John Ramsay erklärte, sein Konzern könne durch die Transaktion die Position als Weltmarktführer bei Pflanzenschutzmitteln ausbauen und das Potenzial des Saatgutgeschäfts erheblich vergrößern. Dass die Kartellbehörden den Mega-Deal noch zu Fall bringen könnten, hält der Manager für wenig wahrscheinlich: „Dieser Deal erhöht die Auswahlmöglichkeiten für die Landwirte.“ Im August hatte der Verwaltungsrat von Syngenta noch eine 46 Milliarden Dollar schwere Übernahmeofferte des US-Konkurrenten Monsanto zurückgewiesen. Einige Wochen später wurde dann ChemChina als möglicher Interessent ins Spiel gebracht. Die geplante Fusion der US-Chemiekonzerne Dow Chemical und DuPont hatte den Druck in der Branche zuletzt gewaltig erhöht. Mitte Dezember hatten beide Konzerne ihre Pläne öffentlich gemacht. dpa