Wirtschaft : Fusion der Genossen noch lange nicht ad acta gelegt

BERLIN (mo).Karl Kauermann, der Vorstandsvorsitzende der Grundkreditbank will die Pläne zur Neuordnung der genossenschaftlichen Kreditinstitute in Berlin nach wie vor voranbringen.Sein Institut soll möglichst schnell mit der Berliner Volksbank verschmelzen."Bis Ende des Jahres müssen wir eine Grundsatzentscheidung getroffen haben," sagte Kauermann in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel.Andernfalls sei die Option auf eine Fusion auf mehrere Jahre verspielt.Wenn dagegen alles glatt gehe, könne eine abschließende Entscheidung zur Fusion der Institute in der ersten Hälfte 1999 und ein Zusammenschluß rückwirkend zum 1.Januar 1999 inkraft treten.Es mache keinen Sinn, auf Synergiepotentiale in Höhe von rund 50 Mill.DM jährlich zu verzichten.

Seit geraumer Zeit wird in Berlin darüber diskutiert, die Grundkreditbank, die erst vor kurzem mit der Köpenicker Bank verschmolzen wurde, mit der Berliner Volksbank zusammenzubringen.Allerdings will sich die Spitze der Volksbank, die zunächst lieber alleine bleiben wollte, aber durchaus auch Gesprächsbereitschaft signalisierte, nicht unter Zeitdruck setzen lassen.Dagegen haben die DG-Bank als genossenschaftliches Spitzeninstitut und der Bundesverband Deutscher Volks- und Raiffeisenbanken eine Fusion zum frühesten Termin empfohlen.Dadurch sollen neue Ertragspotentiale erschlossen und der Marktanteil verbessert werden.Im Vergleich zum übrigen Bundesgebiet, wo die Genossenschaftsbanken einen Marktanteil von über 20 Prozent erreichen, kommen die Genossenschaftsbanken in der Region nur auf einen Anteil von sieben bis acht Prozent.Zur Klärung der Bewertungsfragen soll nach der Idee Kauermanns nun ein unabhängiger Bankstratege eingesetzt werden, den beide Häuser akzeptieren können.

Problematisch ist, daß mit einer Zusammenlegung Arbeitsplätze abgebaut werden müssen.Die Grundkreditbank hat das Thema bereits angepackt und realisiert im Rahmen einer Betriebsvereinbarung einen sozialverträglichen Stellenabbau.Die Rezepte reichen von Altersteilzeitmodellen bis zur kollektiven Arbeitszeitverkürzung.Innerhalb von zwei Jahren, längstens aber bis zu einer Fusion mit der Berliner Volksbank, will Kauermann die Belegschaft um rund 20 Prozent abgebaut haben.Ob die neue Bank, so sie denn entsteht, einen einheitlichen Marktauftritt anstrebt oder aber ein Zwei-Marken-Konzept realisiert wird, ist offen.Es gilt aber als wahrscheinlich, daß die beiden Banken ihren eigenen Auftritt behalten werden.Die Grundkreditbank fühlt sich als Institut für die vermögende Privatkundschaft gut aufgehoben.Die Berliner Volksbank als Bank, die schwerpunktmäßig auch die mittelständische Unternehmerschaft anspricht, bedient mithin einen völlig anderen Kundenkreis.

Klarheit über den weiteren Weg, ob nun gemeinsam oder getrennt, müsse auch schon im Interesse der eigenen Kundschaft geschaffen werden, betonte Kauermann.Nach dem Zusammenschluß mit der Köpenicker Bank sei im Hinblick auf die noch offenen Fragen eine deutliche Verunsicherung unter den Kunden zu spüren.Zu der Fusion war es gekommen, nachdem sowohl im Hause der Grundkreditbank als auch bei der Köpenicker Bank erhebliche Schieflagen infolge der schwierigen Lage auf dem Immobilienmarkt der Region aufgelaufen waren.Nur mit Hilfe umfangreicher Gelder der Sicherungseinrichtungen des Verbandes blieb den Berlinern Schlimmeres erspart.

Wer die Führung in einem neuen Institut übernehmen solle, sei völlig zweitrangig, erklärte Kauermann.Man könne sich vieles vorstellen - notfalls auch eine Doppelspitze für eine gewisse Übergangszeit, sagte Kauermann.Eine für den genossenschaftlichen Sektor insgesamt wichtige und richtige Sachentscheidung dürfe nicht an persönlichen Interesen scheitern.Seine Zukunft sieht der SPD-Mann allerdings weder in der Politik noch in der Industrie.Er werde der Branche treu bleiben, versichert er.Kauermann hatte den Chefposten bei der Grundkreditbank Anfang des Jahres von Bedo Panner übernommen, der aus dem Zentralvorstand der DG-Bank aus gegebenem Anlaß für Berlin "entliehen" worden war.Kauermann besitzt einen Fünfjahresvertrag bei der Grundkreditbank und seit kurzem ein Haus in Grunewald.

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