Wirtschaft : Fusion der Genossenschaftsbanken geplant

Eine der Folgen der Grundkreditbank-Turbulenzen Berlin (dr).Nachdem am Wochenende der erhöhte Wertberichtigungsbedarf der Berliner Grundkreditbank bekannt geworden ist, verdichten sich die Gerüchte, daß es in absehbarer Zeit zu einer Fusion der drei Berliner Genossenschaftsbanken - Berliner Volksbank, Grundkreditbank und Köpeniêker Bank- kommt.Von Seiten der Grundkreditbank bemühe man sich seit gut einem Jahr zumindest um eine Kooperation sagte deren Vorstandsvorsitzender Jürgen Bostelmann am Montag.Zu den offenen Fragen gehöre aber nach wie vor beispielsweise, wer die Führung bei einem Projekt übernehme.Auch habe es bereits eine Wochenendklausur zu Fragen einer Fusion gegeben.Konkrete Ergebnisse lägen aber noch nicht vor.Bostelmann betonte, daß er die Initiative zum Zusammenschluß der drei Berliner Genossenschaftsbanken voll unterstütze.Der Wettbewerb werde sich weiter verschärfen.Zudem würden die drei Berliner Genossenschaftsbanken von der Währungsunion kaum profitieren, aber erhebliche zusätzliche Konkurrenz von den Auslandsbanken bekommen.Berichte, nach denen der Aufsichtsratsvorsitzende der Grundkreditbank, Karlheinz Knauthe, eine Vertragsverlängerung für ihn definitiv ausgeschlossen habe, wollte Bostelmann nicht bestätigen. Für die Berliner Volksbank teilte deren Vorstandssprecher, Ulrich Misgeld, mit, man habe bisher mit Repräsentanten der Grundkreditbank noch keine Fusionsverhandlungen geführt.Bislang habe es nur Gespräche der in Berlin ansässigen regionalen genossenschaftlichen Institute über mögliche Formen der Zusammenarbeit vor allem in personalintensiven Bereichen, wie beispielsweise dem Zahlungverkehr, aber auch der EDV gegeben.Diese Gespräche seien aber ohne Ergebnis abgeschlossen worden.Man beobachte seit einiger Zeit den Trend der Zusammenarbeit - auch per Fusionen - anderer größerer Banken in Deutschland, so Misgeld weiter, und die jüngste Entwicklung in Berlin eröffne neue Perspektiven.Für eine Fusion sei man grundsätzlich offen, aber zunächst müsse ein Konzept vorliegen, daß auch vom Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) und den Genossenschaftsverband Berlin-Hannover mitgetragen werden."Wenn wir es schaffen, daß wir als Berliner Volksbank mit einer zusätzlichen Größe ausgestattet, eine bessere Position am Berliner Markt erringen können, stimmen wir sicherlich zu", beschrieb Misgeld die Strategie.Er gehe davon aus, daß im Laufe des Monats erste Gespräche mit den Verbänden stattfänden.Sowohl die in der Berliner Volksbank in den vergangenen Jahren geschaffenen Strukturen als auch die Erfahrungen, die das Institut bei den bisher 14 durchgeführten Fusionen gesammelt habe, sowie die stabile Position der Bank mit einer guten Bilanz, bildeten eine gute Grundlage für erste Gespräche.Er rechne aber erst im Laufe des Jahres mit einer Umsetzung.Im übrigen plane die Berliner Volksbank weiterhin ihren Neubau am Kaiserdamm.Selbst wenn sein Institut beispielsweise mit der Grundkreditbank fusionieren werde, sei doch gar kein Platz an der Budapester Straße. Mit einer Grundsatzerklärung im Laufe diesen Jahres rechnet auch der Aufsichtsratsvorsitzende der Grundkreditbank, Karlheinz Knauthe.Dieser betonte, daß sich der Aufsichtsrat bereits im vergangenen Juni mit dem Risk management bei der Bank befaßt habe und mehr Zurückhaltung im Immobiliengeschäft gefordert habe.Zudem sei das Risk management personell ausgebaut worden.Die Sonderprüfung im Auftrag des Bundeaufsichtsamtes für das Kreditwesen habe dann auch einen höheren Wertberichtigungsbedarf ergeben, als ursprünglich vom Vorstand geplant.Die Frage einer Vertragsverlängerung für den Vorstandsvorsitzenden Jürgen Bostelmann stelle sich ihm derzeit nicht, so Knauthe weiter.Vorrang habe die Konsolidierung der Bank. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie der Genossenschaftsverband Berlin-Hannover waren unterdessen um Schadensbegrenzung bemüht.Übereinstimmend erklärten sie, daß bei der Grundkreditbank eine erhöhte Risikovorsorge vorhanden sei.Für den Fall, daß das Institut diese nicht aus eigener Kraft darstellen könne, stehe das Institut und damit automatisch alle Einleger unter dem Schutz der Sicherungseinrichtungen.Beide Verbände unterstützen zudem die Bemühungen zu einer Zusammenführung der drei Berliner Genossenschaftsbanken.

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