Wirtschaft : Fusion der Hypobanken so gut wie perfekt

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Berlin / Frankfurt (Main) (dr). Die seit längerem erwartete Fusion der Hypothekenbanken von Deutscher Bank (Eurohypo), Dresdner Bank (Deutsche Hypothekenbank) und Commerzbank (Rheinhyp) scheint nahezu perfekt zu sein. Wie die "Financial Times Deutschland" (FTD) unter Berufung auf das Vorstandsmitglied der Rheinhyp, Hartmut Wallis berichtete, sind derzeit allerdings noch die Bewertung der Hypothekentöchter und damit die jeweiligen Anteile an dem neuen Institut offen. Das Zustandekommen der Fusion werde dadurch aber nicht in Frage gestellt, habe es übereinstimmend in Vorstandskreisen geheißen.

Nicht dabei sein wird die Berlin Hyp, die durch Schieflagen bei Immobilienfinanzierungen im den neuen Ländern an den Rand der Pleite geraten war, und für das Jahr 2000 ihre Risikovorsorge auf 545,1 Millionen Euro erhöhen musste. Die Zukunft des Instituts ist noch völlig offen. Zwar hat der Berliner Seant mehrfach angekündigt, sich gegebenenfalls von der Bankgesellschaft Berlin und damit auch von der zum Konzern gehörenden Berlin Hyp trennen zu wollen. Doch soll der Konzern als Ganzes verkauft werden. Deshalb war das Institut auch von Anfang an nicht an der Gesprächen beteiligt.

Ein Sprecher der Commerzbank lehnte am Montag zwar ebenso wie Vertreter der Deutschen und der Dresdner Bank jeden Kommentar zu der angestrebten Fusion ab. Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer hatte allerdings bereits im August erklärt: "Wir werden uns konsequent von Nicht-Kerngeschäftsfeldern trennen. Dazu zähle ich auch die Gespräche im Hypothekenbanken-Bereich." Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hatte in der vergangenen Woche gesagt: "Formal sollen Eurohypo und Rheinhyp auf die Deutsche Hypothekenbank verschmolzen werden, denn diese Dresdner-Bank-Tochter verfügt als einziges der drei Institute über eine Gemischtbank-Lizenz." Zugleich hatte sich Müller zuversichtlich gezeigt, dass sehr bald ein Ergebnis zu Stande kommen werde.

Das neue Institut, mit einer Bilanzsumme von 240 Milliarden Euro (rund 468 Milliarden Mark), solle sich weltweit auf die lukrative Finanzierung von Gewerbeimmobilien konzentrieren. Geleitet werden soll die Bank der "FTD" zufolge von Karsten von Köller, Vorstandsmitglied der Commerzbank-Tochter Rheinhyp. Köller ist zudem Präsident des Verbandes deutsche Hypothekenbanken (VDH). Der VDH wollte zu den Berichten keine Stellung nehmen. Man habe sich auch zu den Fusionen der Vergangenheit nie geäußert, so Sprecher Franz-Josef Arndt. Sicher sei, dass der Wettbewerbsdruck durch die zunehmende Internationalisierung zunehmen werde. Auch die Anforderungen der Aktionäre an die Kapitalverzinsung stiegen, so Arndt, und schließlich hinterlasse die schwache Entwicklung im Neugeschäft ihre Spuren in den Ertragsrechnungen.

Schließlich setzt das Hypothekenbankgesetz der Expansion der Institute ins Ausland Grenzen. Erst Mitte des Jahres 2002 soll eine Novellierung erfolgen, die es den Instituten ermöglicht, auf den lukrativen Märkten USA, Kanada und Japan aktiv zu werden. Die Spezialinstitute werden zudem zur Größe gedrängt, weil sie sich dann günstiger refinanzieren können. Bei größeren Volumina lassen sich bei Pfandbriefen ( siehe Lexikon ), etwa über so genannte Jumbo-Pfandbriefe, bessere Konditionen erzielen. Auch für die Verbriefung von Krediten ist Volumen von Vorteil. Unter Druck innerhalb ihrer Konzerne stehen die Hypothekenbanken allerdings auch, weil sich zahlreiche Institute insbesondere bei der Finanzierung in Ostdeutschland verhoben haben. Prominenteste Beispiele sind hier die erwähnte Berlin Hyp und die Deutsche Hypothekenbank. Letztere musste wegen der Fehlengagements im Osten Deutschland eine Risikovorsorge von 585 Millionen Euro treffen. Frühestens im Jahr 2004 wird mit einem Abschluss der Sanierung gerechnet.

Auch Analysten sehen eine Fusion als sinnvoll an. Dieter Hein von der Crédit Lyonnais weist darauf hin, dass jede der drei betroffenen Hypobanken in Deutschland einen geringen Marktanteil habe, und sich zunehmender Konkurrenz der öffentlich-rechtlichen Institute gegenüber sehe.

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