Fusion : Kartellamt will Plus-Verkauf verbieten

Die Behörde warnt vor einer Übermacht bei der Warenbeschaffung. Edeka setzt nun auf neue Verhandlungen.

Edeka Foto: ddp
Großeinkauf. 1,5 Milliarden Euro für Plus?Foto: ddp

Düsseldorf - Die bislang größte Fusion im deutschen Einzelhandel droht zu scheitern. Wie das Bonner Bundeskartellamt am Montag mitteilte, beabsichtigen die Wettbewerbshüter, die mehrheitliche Übernahme der Tengelmann-Tochter Plus durch den Hamburger Edeka-Konzern zu untersagen. Bis zum 17. April gebe man den Beteiligten aber noch Gelegenheit, Einspruch zu erheben.

Im vergangenen November hatte sich der damalige Edeka-Vorstandschef Alfons Frenk mit Tengelmann-Mitinhaber Karl-Erivan Haub darauf geeinigt, 70 Prozent an dem Mülheimer Discounter zu erwerben, um ihn mit dem Edeka-Discounter Netto Süd zu verschmelzen. Nach unbestätigten Meldungen legte er dafür 1,5 Milliarden Euro auf den Tisch.

Über die vorläufige Untersagung des Deals durch das Kartellamt zeigten sich die Beteiligten am Montag überrascht. Schließlich käme Netto/Plus selbst nach der Fusion in Deutschland nur auf Platz drei hinter Aldi und Lidl, hieß es dort.

Dem Kartellamt aber missfällt nach eigener Darstellung nicht nur die „überragende Marktstellung“ im Vertrieb, die Edeka durch die Plus-Übernahme bekäme. Die Bonner Behörde warnt zudem vor einer Übermacht bei der Warenbeschaffung, denn Edeka und Tengelmann haben neben dem Plus-Verkauf eine Zusammenarbeit beim Einkauf vereinbart. Sie würde zu einer noch größeren Abhängigkeit der Lieferanten führen, glauben die Wettbewerbshüter.

Mit diesem Einwand hätten die Hamburger rechnen können: Schon Anfang 2000 untersagte ihnen das Kartellamt eine Kooperation mit dem Offenbacher Einkaufsverband Markant. Beide Unternehmen, lautete damals die Begründung, hätten gemeinsam ein Drittel des deutschen Lebensmittelmarktes beherrscht. Diese Marke dürfte auch die nun vereinbarte Einkaufskooperation erreichen. Derzeit kontrolliert Marktführer Edeka in Deutschland 25 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels, Tengelmann mit den Vertriebsschienen Plus, Tengelmann und Kaiser’s insgesamt 6,5 Prozent.

Für Edeka ist die Übernahme von Plus trotzdem noch nicht endgültig geplatzt. Man sei weiterhin optimistisch, die Fusion noch retten zu können, erfuhr das „Handelsblatt“ aus Verhandlungskreisen. „Edeka will den Deal“, sagte ein Insider. Mit dem Kartellamt wolle man in den kommenden zehn Tagen darüber verhandeln, auf wie viele Plus-Läden Edeka verzichten müsse, um am Ende die Fusion doch noch genehmigt zu bekommen. Für die ausgeklammerten Läden gebe es noch eine Reihe anderer Kaufinteressenten. Zu ihnen zähle auch der Rewe-Konzern, der ursprünglich sogar für das gesamte Plus-Netz in Deutschland geboten hatte. Ein Rewe-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Unter welchen Bedingungen das Kartellamt die Fusion durchwinken würde, wollte eine Sprecherin auf Anfrage nicht kommentieren. „Das ist eine Frage der Verhandlungen“, sagte sie.cs/ire (HB)

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