Wirtschaft : Fusion mit Krupp im Kreuzfeuer der Thyssen-Aktionäre

TSP

Stehende Ovationen zum Abschied von Dieter Vogel / Thyssen und Krupp legen gute Zahlen vor / Dividende wird erhöhtVON TSP DUISBURG / ESSEN.Die geplante Fusion der Traditionskonzerne Krupp und Thyssen ist bei Kleinaktionären der Thyssen AG, Duisburg, auf heftige Kritik gestoßen.Bei der voraussichtlich letzten ordentlichen Hauptversammlung vor der Verschmelzung mit der Fried.Krupp AG Hoesch-Krupp, Essen, stellten Aktionärsvertreter am Freitag in Duisburg den Sinn der Fusion in Frage.Dem Aufsichtsrat und Vorstand warfen sie Kapitulation vor Krupp vor.Heinz Kriwet, Aufsichtsratchef von Thyssen, wies alle Vorwürfe als haltlos zurück.Ebenfalls am Freitag teilte der Krupp-Konzern Geschäftszahlen mit.Danach konnte der Jahresüberschuß 1997 mit 437 Mill.DM mehr als verdoppelt werden.Als "einseitig, mangelhaft und willkürlich" bezeichnete Kriwet Presseberichte, wonach Thyssen laut Protokoll der Aufsichtsratsitzung vom 27.November 1997 einen Alleingang der Fusion vorziehe.Das Gremium habe sich vielmehr dafür ausgesprochen, die Verschmelzung weiter zu verfolgen.Zwischen Vorstand und Aufsichtsrat hätten nie Meinungsverschiedenheiten über die Firmenbewertung bestanden.Kriwet nannte eine Spanne von 65 bis 68,3 Prozent für den Thyssenanteil an dem neuen Konzern.Noch arbeiten Wirtschaftsprüfer an einem Bewertungsgutachten zu dem strittigen Umtauschverhältnis.Thyssen-Vorstand Ekkehard Schulz zufolge, der den neuen Konzern mit Krupp-Chef Gerhard Cromme leiten soll, würden die Gremien im Sommer über das Umtauschverhältnis befinden."Selbstverständlich werden die Interessen der Thyssen-Aktionäre Vorrang haben".Mit der Fusion der beiden Traditionsunternehmen wird Thyssen-Krupp zu einem neuen Großkonzern mit 70 Mrd.DM Umsatz und 186 000 Beschäftigten.Für die Fusion warb erneut der Vorstandsvorsitzende Dieter Vogel: Beide Unternehmen seien vergleichbar ausgerichtet."Ihre Präsenz auf dem Weltmarkt in den Kerngeschäften kann zweifellos durch die Fusion verbessert werden".Die Aktionäre sollen in einer außerordentlichen Hauptversammlung die Firmenehe voraussichtlich im Dezember absegnen.Auf seiner letzten Thyssen-Hauptversammlung verabschiedete sich Vogel mit dem besten Ergebnis der Firmengeschichte.Die Aktionäre bedachten ihn mit minutenlangen, stehenden Ovationen."Ich bekenne freimütig, daß es mir eine Genugtuung ist, mich mit einem ordentlichen Unternehmensergebnis von Ihnen zu verabschieden", beendete Vogel am Freitag seinen Bericht an die Aktionäre auf der turbulenten und emotional geladenen Hauptversammlung in der Mercator-Halle.Und er fügte hinzu: Im Top-Management müßten persönliche Vorstellungen nun einmal zurückstehen, wenn übergeordnete Interessen dies erforderten.Mit leicht bebender Stimme dankte Kriwet dem scheidenden Konzernchef.In das neue Geschäftsjahr 1997/98 (30.September) startete Thyssen mit kräftigen Zuwachsraten.In den ersten fünf Monaten sei der Umsatz um 24 Prozent auf 18,3 Mrd.DM gestiegen, sagte Vogel.Bis zum Ende des Geschäftsjahres sei ein Volumen von 45 Mrd.DM möglich, ein Anstieg von fünf Mrd.DM gegenüber 1997.Aus heutiger Sicht spreche alles dafür, daß Thyssen ein noch besseres Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit erzielen werde als im Vorjahr (1,5 Mrd.DM), sagte Vogel.Gute Zahlen legte auch der Krupp-Konzern für 1997 vor: Gegenüber dem Vorjahr verdoppelte sich der Jahresüberschuß auf 437 Mill.DM.Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung eine Dividendenerhöhung um drei DM auf acht DM je 50-DM-Aktie vor, teilte Krupp in Essen mit.Trotz der Abgabe der Flachstahl-Aktivitäten in das Gemeinschaftsunternehmen Thyssen Krupp Stahl zum 1.April 1997 erhöhte sich der Umsatz um 1,1 Mrd.DM auf 25,1 Mrd.DM.Die Zahl der Beschäftigten im Konzern fiel um 11 670 auf 57 938.

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