Wirtschaft : Fusion mit Suez Lyonnaise des Eaux geplant - Gerücht treibt Aktienkurse nach oben

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Die vor ihrer Verschmelzung stehenden Mischkonzerne Veba AG, Düsseldorf, und die Münchner Viag AG wollen angeblich mit der französischen Suez Lyonnais des Eaux fusionieren. Einen entsprechenden Zeitungsbericht wollten die beiden deutschen Fusionspartner weder dementieren noch bestätigen. Veba und Viag nehmen zu Gerüchten keine Stellung, sagten Unternehmenssprecher.

Käme es zu einem solchen deutsch-französischen Bündnis, entstünde gemessen an einer Marktkapitalisierung von 150 Milliarden Mark Europas größter Energieversorger. Veba-Chef Ulrich Hartmann und sein Amtskollege vom französischen Mischkonzern, Gerard Mestrallet, würden noch dieses Jahr einen Zusammenschluss unter Gleichen anstreben, will indessen die Zeitung "Die Welt" erfahren haben. Veba und Viag hatten nach Bekanntgabe ihres Zusammenschlusses zuletzt jeweils Zukäufe oder Fusionen vor allem im Ausland angekündigt, um zu einem Energieversorger von europäischem Rang zu wachsen. Die Börsen reagierten auf die Gerüchte mit einem mehrprozentigen Kursgewinn der Veba- und Viag-Aktien.

Konkrete Verhandlungen zwischen den Deutschen und Franzosen gebe es noch nicht, heißt es in Branchenkreisen. Alle europäischen Stromversorger befänden sich aber in einer Phase des "Beschnupperns". Der nationalen Konsolidierung hier zu Lande werde bald ein Zusammenrücken der Branche auf europäischer Ebene folgen. Da es dafür nur wenige am Markt verfügbare Kandidaten gebe, sei Schnelligkeit angesagt. Falls die im Fusionsprozess stehenden Konzerne Veba und Viag deshalb einen weiteren Zusammenschluss schultern müssten, sei das zwar "unmenschlich", wegen des Marktdrucks aber eventuell erforderlich, schätzte ein Branchenkenner.

Das "europäische Karussell" werde sich wohl bald zu drehen beginngen. Auch der Essener RWE würden Kontakte zu Frankreichs Vivendi-Konzern nachgesagt. Suez ist wie Veba/Viag ein Mischkonzern mit Schwerpunkt Energieversorgung, der auch die belgische Tractebel umfasst. Der französische Mutterkonzern selbst ist ein bedeutender Wasserversorger mit Töchtern in Europa und Amerika. Ein Zusammenschluss von Veba/Viag mit den Franzosen hätte neben Synergien im Stromgeschäft auch den Vorteil, dass ein derartiger Energiemulti vor feindlichen Übernahmen weitgehend sicher wäre, meinen Analysten.

Veba und Viag verschmelzen zu einem der führenden deutschen Konzerne mit einem addierten Gesamtumsatz von 140 Milliarden Mark und 200 000 Mitarbeitern. Allerdings wollen sich beide Partner auf die Sparten Energie sowie Chemie konzentrieren und haben deshalb die Abgabe vieler Geschäftsfelder abseits der Kernsparten angekündigt. Die erst 1997 durch eine Fusion entstandene und hochprofitable Suez beschäftigt 217 000 Personen und ist vor allem im Energiesektor auf Expansionskurs.

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