Fusion Siemens - Nokia : Zauberwort Konvergenz

Auf dem Telekommunikationsmarkt verwischen die Grenzen zwischen Festnetz, Handy und Internet immer mehr. Das Zauberwort heißt seit einiger Zeit Konvergenz, also die zunehmende Vernetzung dieser Technologien mit einem großen Angebot an Bildern, Musik und Videos.

Frankfurt - Telefonieren via Festnetz über das Mobiltelefon zuhause, Internet-Telefonie (Voice-over-IP), Fernsehen via Internet, Internet unterwegs und vieles mehr: Der Trend zum Rundum-Paket für den Endkunden geht auch an den Telekom-Ausrüstern nicht vorbei. «Die großen Telekomgesellschaften verlangen von den Ausrüstern, dass sie diesen Schritt mitmachen», sagt Analyst Roland Pitz von der HVB.

Der französische Telekommunikationsausrüster Alcatel und der US- Mitbewerber Lucent legten Anfang April vor und taten sich zusammen. Bereits im Herbst 2005 hatte zudem Ericsson aus Schweden den britischen Konkurrenten Marconi übernommen. Am Montag reagierten nun auch der Münchner Siemens-Konzern und der finnische Konkurrent Nokia. Sie bündeln ihre Ausrüster-Aktivitäten künftig in dem Gemeinschaftsunternehmen «Nokia Siemens Networks».

Konsolidierungsdruck steigt

Der Konsolidierungsdruck in der Branche steigt also. «Im Moment sieht es so aus, als ob der Markt sich auf drei große Player konzentriert», sagt Branchenexperte Pitz. Neben Alcatel und Lucent seien dies Ericsson und Marconi sowie Nokia und Siemens. Daneben bleibe allenfalls noch Platz für Nischenanbieter. Doch asiatische Unternehmen wie Huawei oder ZTE sind auf dem Sprung und drängen in den Markt. Sie haben zwar noch geringe Marktanteile, punkten aber mit günstigeren Preisen.

Der Zusammenschluss von Nokia und Siemens wird in der Fachwelt denn auch überwiegend begrüßt. Siemens hat seit langer Zeit Probleme, seine Kommunikationssparte Com auf Kurs zu bringen. Mit dem Nokia-Deal - der Zusammenlegung der Netzwerksparten von Siemens und Nokia - schlagen die Münchner nun zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen geben sie Verantwortung für das Geschäft weitgehend an Nokia ab, zum anderen schöpfen sie die Gewinne des neuen Gemeinschaftsunternehmens ab und sichern sich weiter den Zugang zu allen wichtigen technologischen Entwicklungen. In das neue Unternehmen wird mit den Mobilfunknetzen und Festnetzaktivitäten der Großteil von Com eingebracht.

Studie sieht Gewinn ab 2008

«Hinzu kommt, dass Nokia entsprechende Endgeräte anbietet und über einen hervorragenden Markennamen verfügt», ergänzt ein anderer Analyst. Bernd Laux von Cheuvreux verweist ebenfalls auf den zunehmenden Wettbewerb in der Telekomausrüsterbranche. Die Kooperation von Siemens und Nokia werde im kommenden Jahr noch gewinnneutral sein, aber 2008 mit bis zu 10 Prozent zum Gewinn je Siemens-Aktie beitragen, schreibt er in einer Kurzstudie.

Uneins sind sich die Beobachter aber über die Auswirkungen der neuen Allianz auf die anderen Wettbewerber. Einige Analysten rechnen damit, dass Ericsson und andere Wettbewerber davon profitieren, da die Konzentration auf wenige große Wettbewerber für stabilere Preise sorgt. Außerdem seien Siemens und Nokia nun zunächst mit der Integration ihres Joint Ventures beschäftigt, was der Konkurrenz ebenfalls nutze. Von anderer Seite hieß es dagegen, die deutsch- finnische Kooperation gehe auf Kosten von Ericsson und Alcatel. Denn Siemens und Nokia hätten mit ihrer Kooperation zu den Konkurrenten nicht nur aufgeschlossen, sondern dürften diese in einigen Bereichen künftig überrunden. (tso/dpa)

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