Wirtschaft : Fusion spanischer Großbanken

MADRID (ze).Auch die spanischen Großbanken rüsten sich nun für den globalen Finanzmarkt: Am Freitag kündigten der Branchenführer Banco Santander und das drittgrößte Institut Banco Central Hispano (BCH) ihre Fusion an.Damit entsteht ein neuer spanischer Finanzgigant mit dem Namen Banco Santander Central Hispano (BSCH), der in die Gruppe der zehn größten europäischen Geldinstitute aufsteigt.Die Verschmelzung, übrigens die größte der spanischen Geschichte überhaupt, dürfte auch die Fusionspläne weiterer spanischer Finanzriesen beschleunigen.

Mit diesem Zusammenschluß bringt die neue Bankgesellschaft fast doppel so viel Finanzkraft auf, wie die spanische Nummer zwei, die Banco Bilbao Vizcaya.Die BSCH wird allein 20 Prozent des spanischen Marktes kontrollieren.Die Banco Santander wie auch die BCH waren bislang schon stark in Lateinamerika engagiert und werden nun mit ihrem Pakt ihre Vorherrschaft auf diesem Zukunftsmarkt ausbauen.Während der Handel mit den Aktien dieser beiden Banken ausgesetzt wurde, profitierten die Börsenkurse der anderen spanischen Großbanken Banco Bilbao, Argentaria und Banco Popular von Gerüchten, daß auch sie an Fusionsplänen basteln.

Der neue Branchenprimus BSCH wird rund 100 000 Mitarbeiter unter seinem Dach vereinen, davon ist die Hälfte im Ausland beschäftigt.Allerdings erwarten Bankexperten, daß die organisatorische Straffung mittelfristig zu Entlassungen führen wird.Nach Angaben eines Santander-Sprechers werde die BSCH die achtgrößte europäische Bank sein.Erst vor gut einem Jahr hatte die Banco Santander das angeschlagene Institut Banesto geschluckt.Angeblich soll die deutsche Dresdner Bank derzeit mit Santander über einen Verkauf Banestos verhandeln.

Santander und BCH haben dem Vernehmen nach auch 1998 ihre Gewinne wieder kräftig gesteigert, beide Institute haben ihre Bilanzen für 1998 noch nicht veröffentlicht.Im Geschäftsjahr 1997 steigerte Santander ihren Nettogewinn auf umgerechnet 1,3 Mrd.DM.BCH verbuchte gut 500 Mill.DM.Beide Banken zusammen wiesen bis Ende September vergangenen Jahres auf der Aktivseite der Bilanz eine Summe von fast 470 Mrd.DM aus.

Die beiden Banken hatten am Freitag eine "Fusion auf der Grundlage der Gleichberechtigung" angekündigt, die voraussichtlich über einen Aktientausch erfolgen soll.Wie es heißt, soll die neue Gruppe zunächst gemeinsam vom Santander-Präsidenten Emilio Botin und vom BCH-Präsidenten Jose Maria Amusategui geführt werden.Die konservative Regierung und der Verband der Privatbanken begrüßten die Allianz, ebenso die Bank von Spanien und die Gewerkschaften.Nach Einschätzung von Analysten ist die Konsolidierung des Bankwesens und ihre strategische Neuausrichtung in Spanien nur über Fusionen dieser Größenordnung zu erreichen.

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