Wirtschaft : Fusion von Ina und FAG gerät ins Stocken

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München (jojo/mm/HB). Der Kauf des Wälzlagerherstellers FAG Kugelfischer durch den Konkurrenten Ina ist überraschend ins Stocken geraten. Die amerikanische Kartellbehörde Federal Trade Commission (FTC) hat offenbar wettbewerbsrechtliche Bedenken und will tiefer in die Prüfung des Falls einsteigen. Der bisherige Zeitplan der Übernahme ist dadurch gefährdet.

Nach einem wochenlangen Poker war der Ina Holding vor acht Tagen die Übernahme des fränkischen Wälzlagerproduzenten FAG Kugelfischer gelungen. Das Management der FAG hatte zunächst versucht, den feindlichen Übernahmeversuch abzuwehren. Nachdem bekannt wurde, dass sie bereits über 25 Prozent der FAG-Aktien hält und kein rettender Investor in Sicht war, lenkte die FAG-Führung ein. Den FAG-Aktionären empfahl sie, das Kaufangebot der Ina in Höhe von zwölf Euro pro Aktie anzunehmen. Die Frist für den Verkauf läuft heute um zwölf Uhr ab.

Die amerikanischen Wettbewerbshüter haben am Wochenende in Washington zur weiteren Klärung eine Verlängerung der kartellrechtlichen Wartefrist (second request) verhängt. Durch die Bedenken der FTC sei die Übernahme erst einmal blockiert, hieß es aus Kreisen der beiden Unternehmen. Die FAG-Anteile, die von den Aktionären zum Umtausch an die Ina eingereicht werden, seien damit eingefroren. Die Anleger könnten über diese Papiere für die Dauer der erneuten Überprüfung - die wenige Tage aber auch mehrere Monate dauern könnte - nicht verfügen. Wann Ina den Kaufpreis an die Aktionäre zahlen werde, hänge ganz vom Verlauf das kartellrechtlichen Prüfverfahrens ab, hieß es.

Ein komplettes Verbot der Übernahme befürchten die beiden Unternehmen aber offenbar nicht - sie rechnen allenfalls mit Auflagen für die Genehmigung. "Dies ist ein ganz normaler Prozess", betonte gestern ein Ina-Sprecher, der allerdings einräumen musste, dass die Prüfung den bisherigen Zeitplan gefährden könnte. Bislang wollte Ina den FAG-Aktionären am 29. Oktober die zwölf Euro je Aktie auszahlen. Ziel von Ina ist es, FAG komplett zu übernehmen, mindestens aber 75 Prozent der Aktien zu bekommen. Wie viele Aktionäre ihre Anteile Ina bereits angedient haben, wollte das Unternehmen gestern nicht sagen. Derzeit prüfe man rechtliche Möglichkeiten, die angebotenen Aktien wie geplant zu erwerben und den Kaufpreis am Stichtag zu zahlen.

Im Gegensatz zu den US-Kartellwächtern hatte die Wettbewerbskommission der Europäischen Union keine Bedenken gegen die Übernahme. Klappt der Kauf wie geplant, entstünde der weltweit zweitgrößte Wälzlagerproduzent mit rund 52 000 Mitarbeitern und 6,5 Milliarden Euro Umsatz. Ina bietet erst seit einer Woche zwölf Euro je FAG-Aktie, nachdem sich beide Unternehmen auf eine einvernehmliche Übernahme geeinigt hatten. Zuvor hatte FAG-Chef Uwe Loos die Offerte strikt abgelehnt, weil er den ursprünglich gebotenen Preis von elf Euro für zu niedrig hielt. Das neue Angebot entspricht einer Prämie von 65 Prozent gegenüber dem Kurs vor Beginn des Übernahmekampfes. "Wir erwarten nicht, dass Aktionäre ihre uns angebotenen Aktien wieder zurückziehen", sieht Ina den Deal durch die verlängerte Prüfungsfrist nicht gefährdet. Sollten die Herzogenauracher die angestrebten 75 Prozent der Aktien nicht erreichen, können sie von der Offerte zurücktreten. Sollte Ina tatsächlich an dieser Hürde scheitern, werde das Unternehmen versuchen, die noch notwendigen Aktien am Markt zuzukaufen, kündigte ein Sprecher des Unternehmens an. Eine Verlängerung des Angebots schloss er aus.

Über die Börse hat sich Ina bereits rund 23 Prozent der FAG-Anteile gesichert. Mindestens fünf Prozent der Aktien hält die Ina-Inhaberin Maria-Elisabeth Schaeffler, Kleinaktionäre haben etwa 68 Prozent.

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