Wirtschaft : Fusion von Paris, Brüssel und Amsterdam perfekt - Frankfurt sieht sich nicht bedroht

Die Börsen in Paris, Brüssel und Amsterdam schließen sich im September unter dem Namen Euronext zu einem grenzüberschreitenden Handelsplatz zusammen. Das gaben die beteiligten Börsengesellschaften am Montag auf einer Pressekonferenz in London bekannt. Euronext soll mit einem gehandelten Aktienkapital von 2,2 Billionen Euro (4,3 Billionen Mark) die zweitgrößte Börse Europas nach London werden, die auf 2,8 Billionen Euro (5,5 Billionen Mark) kommt. Die neue Gemeinschaftsbörse liegt damit vor Frankfurt (Main) mit 1,4 Billionen Euro. Der Aktienhandel der Euronext wird künftig zwischen den drei Standorten aufgeteilt. Paris ist als Platz für die großen "Qualitätstitel" der drei Länder vorgesehen, Amsterdam für den Derivatenmarkt und Brüssel für mittelständische Aktiengesellschaften. Das Gemeinschaftsunternehmen soll im September die Arbeit aufnehmen.

Nach Angaben des belgischen Finanzministers Didier Reynders könnte Euronext auf den Börsenplatz Luxemburg sowie zu einem späteren Zeitpunkt auch auf Mailand und Madrid ausgedehnt werden. Diese Börsen sind bislang mit Frankfurt und London in einer Allianz verbündet. Am Mittwoch wollten die acht großen europäischen Börsen, darunter auch die drei Euronext-Teilhaber, zu einem Treffen in Brüssel zusammentreten. Die acht Partnerbörsen hatten bislang die Schaffung einer gemeinsamen Handelsplattform für November geplant. Beobachter erwarten jedoch ein Scheitern dieser Kooperationspläne.

Die Deutsche Börse AG kommentierte die Fusionsabsichten der drei Börsen nicht. In Kreisen der Betreibergesellschaft der Frankfurter Wertpapierbörse hieß es allerdings, die Dreierfusion stelle einen Schritt auf dem Weg zu einer Zusammenführung der europäischen Wertpapiermärkte dar. Letztendlich seien die jüngsten Absichten der Börsen Amsterdam, Paris und Brüssel das was gewollt sei. Acht europäische Börsenplätze (Frankfurt, London, Mailand, Madrid, Zürich, Amsterdam, Paris und Brüssel) wollen ihre Handelssysteme noch im Jahr 2000 miteinander zu einem Handels-Netzwerk für europäische Standardwerte verknüpfen. Auch eine gemeinsame Handelsplattform war angedacht worden. In den Börsenkreisen hieß es weiter, es sei nicht sicher, dass bei allen Vorhaben zur Zusammenführung der Märkte immer alle acht Partner dabei seien.

Der Druck auf die europäischen Börsenplätze zu einer stärkeren Zusammenarbeit steigt. Neben Plänen für den Aufbau einer europäische Variante der US-Technologiebörse Nasdaq haben der schwedische Börsenbetreiber OM Gruppen und die US-Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter eine Internet-Handelsplattform für führende US- und Europa-Börsenwerte angekündigt. OM-Gruppen entwickelt Handelssysteme und ist Träger der Stockholmer Börse, die in der Europa-Allianz nicht vertreten ist. Außerdem betreibt das Finanzdienstleisterkonsortium Tradepoint unter der Führung der Reuters-Brokertochter Instinet ein elektronisches Handelssystem. Zu Tradepoint gehören Merrill Lynch , Dresdner Kleinwort Benson, Deutsche Bank und ABN Amro.

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