Wirtschaft : Fusionen in der Spezialchemie

MÜNCHEN (tmh).Unbeeindruckt von ihrer bevorstehenden Verschmelzung mit der Essener Th.Goldschmidt AG hält die SKW Trostberg AG bereits Ausschau nach einer neuen Milliardenakquisition.In dem von beiden Viag-Töchtern bearbeiteten Bereich Spezialchemie "kommt es in den nächsten zwei Jahren zu einer branchenweiten Konsolidierung," sagte SKW-Chef Utz-Helmuth Felcht bei der Bilanzvorlage am Donnerstag in München.Dabei werde die SKW ein "großer Player sein".Es gebe fünf bis sechs große Spezialchemiekonzerne, an denen die Trostberger Interesse hätten.Felcht bekundete gesteigertes Interesse an der Hoechst-Beteiligung Wacker Chemie GmbH, München, bei der sich die SKW aber wegen eines Vorkaufsrechts der dort bislang paritätisch engagierten Familie Wacker kaum Chancen ausrechnet.Wenn es zu einem größeren Zukauf kommt, will Felcht die Finanzkraft der Münchner Konzernmutter Viag AG nutzen.Bis Mitte des Jahres soll die SKW aber erst einmal mit Teilen von Goldschmidt verschmolzen werden, die für Felcht eine "Perle in der Welt der Spezialchemie" ist.SKW werde die Sparten Oligomere/Silicone, Tenside und Industriechemikalien, die mit 769 Mill.DM Umsatz rund 60 Prozent des Goldschmidt-Geschäfts ausmachen, in den eigenen Konzern integrieren.Davon sind gut 2000 der derzeit knapp 5000 Goldschmidt-Mitarbeiter betroffen.Die restlichen Unternehmensbereiche würden verkauft.Größeren Stellenabbau soll die Verschmelzung nicht auslösen.Die neue SKW verfüge über rund 6,5 Mrd.DM Umsatz und knapp 17 000 Mitarbeiter.Davon stammen rund 350 Mill.DM und 900 Mitarbeiter vom US-Bauchemie-Unternehmen Harris Specialty Chemicals, das SKW soeben übernommen hat.

Im operativen Geschäft habe die SKW ihre Erwartungen in einem schwierigen Umfeld erfüllt, urteilte Felcht über das Vorjahr.Probleme gebe es am ostdeutschen Standort Piesteritz, wo 168 von 759 Stellen gestrichen würden.Grund seien Preiseinbrüche bei Harnstoff und Ammoniak.An eine Stillegung des Werks denke man nicht, obwohl sich dort "schlechte Zeiten" ankündigten.

Unter dem Strich steuere die SKW ohne die positiven Effekte durch Goldschmidt und Harris dieses Jahr mindestens auf Umsätze, Ergebnisse und Dividende in Vorjahreshöhe zu, schätzte Felcht.Straffes Kostenmanagement soll eine Entlastung von rund 30 Mill.DM bringen.Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe werde binnen zwei bis drei Jahren auch die Integration von Goldschmidt beisteuern.1998 waren die Erlöse der Trostberger um drei Prozent auf 5,3 Mrd.DM zurückgegangen, während der Jahresüberschuß um gut 14 Prozent auf 178 Mill.DM ausgebaut werden konnte.Die Dividende erhöhte die SKW zum vierten Mal in Folge von 1,20 auf 1,30 DM je Aktie.

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