Wirtschaft : „Fusionen sind unsere Sache“

Postbankchef kritisiert Bundesregierung

Bernd Hops,Henrik Mortsiefer

Berlin – Postbankchef Wulf von Schimmelmann hat der Bundesregierung indirekt vorgeworfen, die Vorbereitungen auf den Börsengang zu stören. Die Spekulationen um einen möglichen Verkauf der Postbank an die Deutsche Bank, die Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) unlängst mit seinem Fusionsappell an die deutschen Großbanken ausgelöst hatte, seien zwar „zunächst mal ein Kompliment für die Postbank“, sagte Schimmelmann dem Tagesspiegel. „Was kann uns Besseres passieren, als dass wir so umworben werden?“, fragte der Vorstandsvorsitzende. „Mehr als unglücklich ist allerdings, was in der Presse daraus geworden ist“, fügte Schimmelmann mit Blick auf die Diskussion um eine politisch motivierte Intervention hinzu. Auf die „Spekulationen über alles und jedes“ habe man gut verzichten können.

„Ich finde es bemerkenswert, dass der Bundeskanzler einzelne Aspekte aus dem Strukturthema der deutschen Bankenlandschaft angesprochen hat“, sagte Schimmelmann im Gespräch mit dieser Zeitung. Schröder hatte die deutschen Großbanken vor einer Woche auf dem Sparkassentag zu raschen Reformen und Fusionen aufgefordert. „Fusionen sind immer strategische Entscheidungen, die die Unternehmen zu treffen haben“, sagte der Postbankchef.

Zu der Forderung des Kanzlers, Deutschland brauche im Bankensektor einen „nationalen Champion“, sagte Schimmelmann, Deutschland brauche einen offenen Bankenmarkt. Abgeschottete Teilmärkte hätten in einer Volkswirtschaft selten zur Effizienz beigetragen. „Alle Bemühungen, das zu ändern, begrüße ich.“ Länder wie Italien hätten vorgemacht, wie bei einer Neuordnung des Bankensystems sehr erfolgreiche Banken entstehen könnten – „gleichgültig in welcher ,Säule’ sie ihren Ursprung haben“. Der deutsche Bankenmarkt teilt sich in drei so genannte Säulen auf: die privaten Geschäftsbanken, den Sparkassensektor sowie die Genossenschaftsbanken. Letztere haben im Geschäft mit Privatkunden einen Marktanteil von 60 Prozent.

Die Postbank sieht sich selbst eher als Partner einer im Privatkundengeschäft starken Bank oder Sparkasse. „Immer dort, wo wir ein ähnliches Geschäftsmodell und eine ähnliche Geschäftskultur sehen, sind wir interessiert“, sagte Schimmelmann. Im Sparkassen- und Genossenschaftssektor, „aber auch bei den privaten Banken“ gebe es Bereiche, die ähnlich wie die Postbank ausgerichtet seien.

Schimmelmann bekräftigte, dass die Postbank an den Plänen zum Börsengang am 21. Juni festhalte. Zum aktuellen Börsenumfeld sagte er, es sei „zurzeit recht volatil“. Er erkenne aber keinen Trend, der den Börsengang der Post-Tochter gefährden könne. „Im Moment machen wir uns keine Gedanken über eine Schmerzgrenze, bei der wir nicht an die Börse gehen würden.“ Dies sei ohnehin in erster Linie eine Frage, die der Eigentümer beantworten müsse. „Wir übernehmen uns nicht“, fügte Schimmelmann hinzu. „Die Postbank wird den Markt für Börsengänge in Deutschland nicht allein neu beleben.“

Ob die Konsortialbanken den Anlegern mit einem niedrigen Emissionspreis entgegenkommen, ließ Schimmelmann offen. Der Markt werde den Preis bestimmen. „Alles, was wir im Moment von den Konsortialbanken hören, liegt genau in der Linie, die wir uns vorstellen.“

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