Wirtschaft : Fusionen und Preissprünge bei Öl und Metallen

Holger Alich

Auf dem Rohstoffsektor geht es jetzt richtig rund. In der vergangenen Woche hat der Ölmulti Elf Aquitaine nach zähem Ringen dem Übernahmewerben des Konkurrenten Total-Fina nachgegeben. Auf dem Aluminiummarkt fusionieren Alcan, Pechiney und Alusuisse zur Apa. Konkurrent Alcoa konterte mit einem feindlichen Übernahmeangebot für Reynolds, um Marktführer in dem Segment zu bleiben. Auf dem Kupfermarkt schließen sich die Norddeutsche Affinerie und das Hüttenwerk Kayser zum viertgrößten Player zusammen. Und ein Ende der Fusionswelle ist nicht in Sicht. Gleichzeitig steigen die Preise: Kupfer ist seit Juni um 25 Prozent teurer geworden, Nickel seit Jahresbeginn um 80 Prozent. Und der Ölpreis klettert beinahe täglich auf neue Rekordhochs. Die Folge: Rohstoffaktien sind wieder interessant.

"Die Aktien der Hersteller hängen ganz eindeutig ab von der Preisentwicklung der Rohstoffe", sagt ein Rohstoffhändler der Dresdner Kleinwort Benson. Da aber die Notierungen für Öl sowie Metalle wie Kupfer und Nickel stark schwanken, bergen die Titel der Anbieter hohe Risiken.

Trotz der jüngsten Preisrallye ist es für einen Einstieg noch nicht zu spät. "Nach einer kurzen Konsolidierungsphase erwarte ich einen zweiten Aufschwung", sagt Barbara Rega, Managerin des DWS Rohstoff-Fonds. Ihre Jahresperformance von knapp 69 Prozent kann sich allein deshalb sehen lassen, da sie nicht in die attraktiven Ölwerte investieren darf - dies bleibt dem DWS Energiefonds vorbehalten. Ihr Portfolio besteht zu 62,5 Prozent aus Werten der Basismetallbranche. Größter Posten ist mit sieben Prozent der Aluminiumgigant Alcoa, gefolgt von den Minenkonglomeraten Rio Tinto (6,2 Prozent) und Broken Hill Proprietary (5,7 Prozent).

"Ich setze auf die Blue Chips, weil sie als erste von dem weltweiten Aufschwung der Rohstoffnotierungen profitieren", erläutert Rega. Außerdem hätten die großen Player die größten Rationalisierungspotenziale - und die Kosten sind im Rohstoffsektor entscheidend, da auch die größten Anbieter die Preise zum Beispiel für Kupfer vom Weltmarkt diktiert bekommen. "Billig produzieren, teuer verkaufen", lautet nach DWS-Managerin das einfache Erfolgsrezept für einen Rohstoffkonzern wie Rio Tinto. Spannend findet Rega vor allem den Kupferbereich. "Der Kupfermarkt hat noch die durchgreifende Konsolidierung vor sich, wie sie die Aluminiumanbieter bereits durchgemacht haben", erklärt sie. Der Versuch von Phelps Dodge, die Konkurrenten Cyprus Amax und Asarco zu schlucken, gibt ihr Recht.

Auf die Blue Chips unter den Rohstoffwerten setzt auch Peter E. Huber, der für den Portfoliomix des PEH Universal Fonds Miro von Universal Investment zuständig ist. "Ich achte sowohl auf einen ausgewogenen Ländermix als auch auf einen ausgewogenen Branchenmix", erläutert er. Er habe den Ölsektor ungefähr so stark gewichtet wie Unternehmen aus dem Bereich der Nicht-Eisenmetalle (Kupfer, Blei, Aluminium und Nickel). Die Top-Regionen seines Portfolios sind Australien, USA, Kanada und Südafrika.

Für die weitere Entwicklung vor allem im Nicht-Eisen-Metallbereich bleibt er optimistisch: "Der Einbruch bei den Metallen war vor allem auf die Asienkrise zurückzuführen. Jetzt prognostiziert Barings für Japan schon ein Wirtschaftswachstum von fünf Prozent", so Huber. Korea habe im zweiten Quartal ein Wachstum von zehn Prozent verzeichnet. Damit sei für ihn klar: Die Trendwende in Asien steht auf einer breiten Basis.

Mit einer Fokussierung auf Basismetalle wie Aluminium und Werten aus der Energiegewinnung hat der Hypo-Invest Geo Tech auch bei der Dreijahresperformance top abgeschnitten und die jüngsten Krisen gemeistert. Aktuell liegt der Branchenschwerpunkt auf den Bereichen Öl/Gas (31 Prozent vom Fondsvermögen) und Energie (18 Prozent). Die Besonderheit: "Unsere Anlagerichtlinien lassen zu, neben den großen Rohstoffproduzenten wie Alcan und Alcoa auch kleinere Technologiewerte ins Portfolio aufzunehmen, die Marktführer auf Nischenmärkten sind", erläutert Dieter Burgmer, der als Geschäftsführer für das Fondsmanagement verantwortlich ist. Dank technologischer Innovationen könnten sich diese Werte vom klassischen Rohstoffzyklus abkoppeln. Trotz der hohen Gewichtung des Ölsektors stimmt Burgmer die jüngste Preisrallye beim Öl skeptisch. Er hält die strukturellen Schwierigkeiten in Asien noch nicht für überwunden; folglich erwartet er keine stärkere Erholung der Weltwirtschaft.

Rohstoff-Fonds sind wegen ihrer Wertschwankungen etwas für risikofreudige Anleger, sagt Fondsexperte Huber von Universal Investment. "Anleger sollten rechtzeitig wieder aussteigen. Als Faustregel gilt im Rohstoffbereich: im November rein, und im Mai raus", rät Fondsmanagerin Rega.

Ulrich Gallus, bei der Deka-Gruppe für Fondsvermögensverwaltung zuständig, rät, "auf jeden Fall weniger als zehn Prozent" der Anlagegelder in Rohstoff-Fonds anzulegen. Grund: Diese Fonds zählen nach seinen Angaben zu den Branchenfonds, die ein höheres Risiko als breit gestreute Regionenfonds haben. "Bei Rohstoff- Fonds kommt noch die hohe Abhängigkeit der Preise hinzu", warnt der Anlageexperte. Trotz aller Fusions- und Aufschwungfantasie: Rohstofftitel sind nichts für schwache Nerven.

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