Fusions-Pläne : EMI legt Kauf von Warner Music auf Eis

Der britische Musikkonzern EMI hat die geplante Fusion mit dem US-Konkurrenten Warner Music vorerst auf Eis gelegt. Der Konzern ist durch das EU-Urteil zu Sony BMG abgeschreckt.

London - Unter dem Eindruck eines europäischen Gerichtsurteils zum Wettbewerb in der Musikbranche haben die Konzerne EMI und Warner Music ihre Pläne für ein mögliches Zusammengehen vorerst auf Eis gelegt. Beide Unternehmen erklärten, dass sie die Lage für ein weiteres Verfolgen dieser Pläne derzeit für zu unsicher halten. Die Musiksparten der Rivalen Sony und Bertelsmann waren durch das vor zwei Wochen veröffentlichte Urteil aus Luxemburg gezwungen worden, sich ihren längst erfolgten Zusammenschluss unter strengen Auflagen komplett neu genehmigen zu lassen.

Vor diesem Hintergrund habe der EMI-Vorstand beschlossen, einen Aufkauf von Warner Music "bis aufs Weiteres" nicht mehr anzustreben, hieß es in einer Mitteilung des britischen Konzerns an die Londoner Börse. Das US-Unternehmen Warner Music teilte wenig später ebenfalls an der Londoner Börse mit, dass es angesichts der derzeitigen "Ungewissheiten" darauf verzichte, die Annäherung an EMI weiter zu betreiben. Beide Unternehmen schlossen eine Wiederaufnahme ihrer Bestrebungen zu einem späteren Zeitpunkt allerdings nicht aus.

EMI kündigte an, die Haltung zu einem Zusammengehen mit Warner Music werde "im Lichte der künftigen Entwicklungen" weiter geprüft. Warner Music erklärte, bis die Situation klarer werde - etwa durch eine Berufung gegen das Urteil oder das erneute Genehmigungsverfahren zu Sony BMG in Brüssel - sollten keine weiteren Offerten an EMI mehr gemacht werden. Seit Mai hatten EMI und Warner Music ein regelrechtes Katz-und-Maus-Spiel mit gegenseitigen Übernahmeangeboten betrieben. Das jüngste Angebot von EMI betrug umgerechnet 3,6 Milliarden Euro, das von Warner Music lag mit 3,7 Milliarden Euro nur geringfügig höher.

Fusionsgenehmigung für Sony BMG gekipppt

Das europäische Gericht Erster Instanz in Luxemburg hatte die von der EU-Kommission im Juli 2004 erteilte Fusionsgenehmigung für Sony BMG gekipppt. Nach Ansicht der Europarichter hatte die Behörde nicht gründlich genug geprüft, ob das neue Unternehmen eine unzulässige monopolähnliche Stellung auf dem europäischen Markt einnimmt. Durch das Urteil wird ein komplett neues Genehmigungsverfahren für Sony BMG erforderlich. Dabei ist nach Angaben eines Kommissionssprechers völlig offen, ob die Behörde die Fusion erneut erlaubt oder im Nachhinein untersagt.

Sony BMG mit Sitz in New York ist nach Universal der zweitgrößte Musikkonzern der Welt. EMI liegt derzeit auf dem dritten Platz. Ein fusionierter Konzern EMI-Warner würde Sony BMG vom zweiten Platz verdrängen. Zusammen würden beide Unternehmen nach Zahlen des Internationalen Phonowirtschaft-Verbandes IFPI 24,7 Prozent des Plattenmarktes beherrschen; der Anteil von Sony BMG liegt bei 21,5 Prozent. Zu den Zugpferden von EMI gehören unter anderem die Rolling Stones und Robbie Williams, Warner Music vertreibt etwa die Platten von Madonna und den Red Hot Chili Peppers. (tso/AFP)

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