Fusionspläne : "Wiedeking ist der Beste"

Vor den Fabriktoren von Porsche und VW

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Stuttgart / Wolfsburg - Stuttgart-Zuffenhausen, Donnerstag, 6 Uhr morgens. Hinter dem Firmensitz von Porsche geht langsam die Sonne auf. Es ist Schichtbeginn am Tag eins nach Verkündung der Fusionspläne des Sportwagenherstellers mit Volkswagen. Noch am Vormittag wollen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Betriebsratschef Uwe Hück die Mitarbeiter bei einer Betriebsversammlung über die geplante Integration mit VW informieren.    Sehr gesprächig sind die Arbeiter an diesem Morgen nicht. Die meisten hasten vorbei, viele winken nur ab. „Kein Kommentar! Ich habe es eilig.“ Noch ist nicht klar, wie die Zukunft von Porsche aussehen wird – da könnte ein falsches Wort schaden. Das Interesse an den Plänen der Automobilkonzerne ist aber riesig. Das zeigt sich schon in der S-Bahn. Überall versenken Menschen ihre Nasen in Zeitungen, Worte wie „Fusion“, „vollständig“ und „eigenständig“ schwirren durchs Abteil.    Wer sich am Werkstor äußert, gibt sich meist abwartend zuversichtlich. „Ich halte den Arbeitsplatz für gesichert“, sagt etwa Hannelore Eisemann. Sie geht fest davon aus, dass Porsche-Chef Wiedeking bleibt, auch wenn erst in den kommenden vier Wochen über die neue Struktur entschieden werden soll. „Alles andere wird sich zeigen“, sagt sie. Mario Rollnik (39) sagt, der Zusammenschluss biete auch eine Chance, denn Porsche als Hersteller würde es in diesen Zeiten eher schwer haben, meint er. „Es gibt immer zwei Seiten.“    

Wut über Wiedekings kostspieligen Versuch, VW zu übernehmen, gibt es kaum. Vielmehr stehen die meisten zu ihrem Chef und seinen Entscheidungen. „Ohne die Wirtschaftskrise hätte es ja geklappt“, sagt eine Frau überzeugt. Eine andere bezeichnet Wiedeking sogar als „das Beste, was uns passieren konnte“. Viele hoffen, dass er bleibt.   

 Sorgen um seinen Arbeitsplatz macht sich Franz Pieplak nicht. „Ich denke, Porsche ist gut aufgestellt.“ Die Befürchtung, der Konzern könne verkauft werden, sei nun Vergangenheit, sagt ein 32-jähriger Mitarbeiter. Auch andere haben angeblich „gut geschlafen“, und blicken betont optimistisch nach vorne. Doch nicht alle. „Ängste sind schon da. Ich habe mich ziemlich aufgeregt“, sagt ein Mann, der schon seit 17 Jahren für Porsche arbeitet. Doch nur ganz selten verliert an diesem Morgen jemand die Fassung. Dann aber richtig: „Porsche ist kaputt. Ist jetzt VW“, sagt ein Mitarbeiter und hastet davon.    

In Wolfsburg herrscht dagegen Gelassenheit vor. „Das tut sicher beiden Seiten gut. Besser als der Versuch von Klein- Porsche, Groß-VW zu übernehmen“, kommentiert Andreas Böse die neue Lage. Böse arbeitet bei der Stadt, die wie kaum eine andere Kommune mit einem Industrieunternehmen verbunden ist. Ansonsten scheint in der Wolfsburger Fußgängerzone, in der Porschestraße, der bevorstehende Abgang von VfL-Trainer Felix Magath die Menschen mehr zu bewegen als die Einigung zwischen VW und Porsche. „Da habe ich mich nicht mit beschäftigt“, sagte eine eilig davongehende Frau wie andere Passanten auch.    Im mehrere hundert Meter langen, gefliesten Fußgängertunnel, der vielen VW-Beschäftigten als Werkszugang dient, liegen die Prioritäten anders. „Das wurde ja langsam Zeit, dass sie sich einigten“, sagt Uwe Semrau, Lagerist bei VW. „Wenn Porsche das Geld gehabt hätte, hätten sie doch VW längst gekauft.“

Ein 37-Jähriger Italiener, der seinen Namen nicht nennen will, sagt, solange die Arbeitsplätze sicher seien – nicht nur in Wolfsburg, sondern in ganz Deutschland – „ist mir alles recht“. Eine VW-Mitarbeiterin hat weitergehende Ambitionen. „Solange VW die Oberhand behält, soll mir das recht sein.“ dpa

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