Wirtschaft : Fußballfans im Abseits

Heike Jahberg

Noch nie hatte der Medienunternehmer Leo Kirch so viele Freunde wie heute. Edmund Stoiber will den Filme- und Rechtehändler und die Milliardenkredite seiner Landesbank retten, Kanzler Schröder zieht - wenn schon, denn schon - Kirch dem australischen Medientycoon Murdoch vor, selbst die Intendanten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wollen ihren ewigen Kontrahenten im Spiel halten - und nun melden sich auch noch die Bundesliga-Manager zu Wort. Sie fürchtet um Milliardeneinnahmen, wenn Kirch Pleite geht und den Profi-Clubs die versprochenen Raten für die Fernsehrechte nicht mehr überweisen kann.

Die vermeintliche Solidarität ist verblüffend. Noch vor Jahren galt der Münchner als Unperson. Politiker wie der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Beck ließen keine Gelegenheit aus, sich als Anwalt der Fußballfans zu profilieren und Kirch dafür zu schelten, dass fortan Live-Spiele der Bundesliga nur noch auf Premiere und somit unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Heute scheint das alles vergessen. Drei Milliarden Mark hatte Kirch im Mai 2000 dem Deutschen Fußball-Bund versprochen und sich so für vier Jahre die TV-Rechte für die deutsche Profiliga gesichert. Dieses Geld haben die Vereine fest eingeplant. Ohne die Raten aus München dürften sich die deutschen Clubs schwer tun, im inflationären Wettbewerb um millionenteure Spitzenspieler international mitzuhalten. Doch an einen denkt niemand: den Fernsehzuschauer. Denn wenn Kirch fällt und die TV-Rechte zu günstigeren Preisen auf den Markt kommen, hätten auch die Öffentlich-Rechtlichen wieder eine Chance, ins Spiel zu kommen und sich die Erstverwertungsrechte zu sichern. Die Fans würden sich über eine solche Steilvorlage freuen. Doch das scheint niemanden zu interessieren. Merkwürdig.

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