Wirtschaft : Future-Handel ohne Börsen-Parkett

Hannovers Warenterminbörse arbeitet vollelektronisch / Heute offizielle Eröffnung HANNOVER (ADN).Die erste deutsche Warenterminbörse (WTB) in Hannover wird nach Einschätzung ihres Vorstandes Friedrich Rode für größere Markttransparenz sorgen.Dadurch werde der Handel für alle Marktteilnehmer - vom großen oder kleinen Landwirt über die verarbeitende Industrie bis hin zu den Großhandelsketten - zugleich auch fairer, sagte Rode am Donnerstag in Hannover."Die Preisschwankungen werden geringer, und die Marktteilnehmer bekommen günstigere Kalkulationsmöglichkeiten." An der Warenterminbörse werden wie berichtet zunächst Optionen auf bestimmte landwirtschaftiche Produkte gehandelt.Im Gegensatz zu den anderen europäischen Warenterminbörsen, die in London, Paris und Amsterdam angesiedelt sind, soll an der Hannoverschen WTB vollelektronisch gehandelt werden.Das eigentliche Börsenparkett ist damit abgeschafft.Derzeit befinden sich die Computer-Systeme allerdings noch in der Testphase.Zur heutigen offiziellen Eröffnung soll nach WTB-Angaben auch bekanntgegeben werden, wann der Handel aufgenommen wird.Rode zufolge rechnen die WTB-Broker zunächst mit etwa 200 Kontrakten pro Tag.In den vergangenen Jahren habe sich der Bedarf an Preisabsicherungsinstrumenten in der Landwirtschaft enorm erhöht, betonte Rode.Einflußfaktoren wie die Tierseuche Schweinepest, die zur Vernichtung kompletter Bestände führte, aber auch Einflüsse durch das Wetterphänomen El Niño haben die Preise immer wieder unvorhergesehen stark schwanken lassen.Auch die erwarteten Kürzungen staatlicher Subventionen im Getreidebereich machten solche Instrumente notwendig.Die Einführung einer eigenen deutschen WTB ist nach Ansicht Rodes zum einen notwendig, weil sich für deutsche Marktteilnehmer beim Handel an anderen europäischen Börsen immer wieder Währungsrisiken ergäben.Überdies werde die WTB den spezifischen Gegebenheiten des heimischen Marktes eher gerecht."Ein Vorteil unseres Schweinekontrakts ist der wöchentliche Lieferzyklus", sagt der WTB-Vorstand.Bei den Kartoffeln beinhalte der Korb der lieferbaren Ware die jeweils gängigsten deutschen Sorten.Zunächst werden laut Rode Futures auf Kartoffeln und Schweine gehandelt.Später sollen Weizen und Altpapier hinzukommen.Auch über die Machbarkeit eines Heizölfutures werde nachgedacht.Im Unterschied zu den Warenterminbörsen in Paris, Amsterdam und London werde die deutsche WTB europäisch ausgerichtet, erläuterte Rode.Niederländische und dänische Händler haben dem WTB-Vorstand zufolge bereits Interesse bekundet."Ich kann mir durchaus vorstellen, daß wir zu einem späteren Zeitpunkt außerdem mit den Börsen in Paris und Amsterdam via Standleitung verbunden sein werden", sagte er.

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