G-20-Agrarministertreffen : Antibiotika sollen keine Wachstumsförderer mehr sein

Die G-20-Agrarminister wollen die lebenswichtigen Medikamente künftig auch bei der medizinischen Behandlung von Tieren sparsamer einsetzen. Die Regierung von Donald Trump war in Berlin noch nicht vertreten.

Der russischer Agrarminister Alexander Tkatschjow durfte zwar das G-20-Ministertreffen besuchen. Aber den russischen Messestand auf der Grünen Woche durfte er nicht sehen. Eigentlich hätte er auch nicht einreisen dürfen.
Der russischer Agrarminister Alexander Tkatschjow durfte zwar das G-20-Ministertreffen besuchen. Aber den russischen Messestand...Foto: Michael Kappeler/picture alliance /dpa

Die Ministerriege der 20 größten Volkswirtschaften der Welt ist fast vollständig gewesen. Sogar der russische Agrarminister Alexander Tkatschjow, der wegen der Sanktionen der Europäischen Union nach dem russischen Einmarsch auf die Krim eigentlich nicht einreisen durfte, war in Berlin. Im Vorfeld hatte Agrarminister Christian Schmidt (CSU) einiges an Kritik einstecken müssen, weil er seinen russischen Kollegen trotzdem eingeladen hatte. „Ich habe mich darüber im Vorfeld mit der EU und den G-20-Partnern abgestimmt“, betonte er am Sonntag noch einmal. Der argentinische Minister konnte nicht kommen, weil sein Land gerade unter verheerenden Überflutungen leidet.

Es könnten die letzten Verhandlungen im Kreis der G-20-Minister für einige Jahre gewesen sein, nach denen Schmidt sagen konnte: „Die Amerikaner waren auf hoher Arbeitsebene vertreten und haben sich konstruktiv an den Debatten beteiligt.“ Der scheidende Agrarminister der Regierung von Barack Obama war schon nicht mehr im Amt, der neue, der frühere Gouverneur von Georgia, Sonny Perdue, ist noch nicht vom Senat bestätigt. Schmidt sagte, er kenne Perdue schon, sein Gesicht ließ aber keinen Hinweis zu, was er davon hält. Jedenfalls waren es die letzten G-20-Verhandlungen in diesem Jahr, die noch nicht unter dem Motto „Make America great again“ gestanden haben.

Mexiko will mehr Freihandel mit Europa - wegen Trump

Allerdings hat der mexikanische Agrarminister, Pepe Calzada, bereist aktiv das Gespräch über neue oder vertiefte Freihandelsabkommen mit dem EU-Agrarkommissar Phil Hogan und auch mit Christian Schmidt gesucht. Hogan sagte in Berlin, bisher exportiere Mexiko 75 Prozent der exportierten Agrarerzeugnisse in die USA. „Da gibt es ein Interesse an Diversifizierung“, sagte er.

Schmidt hat jedenfalls die womöglich letzte Chance, in Sachen Antibiotika-Resistenz ein achtbares Verhandlungsergebnis zu erzielen, genutzt. Die G-20-Minister einigten sich darauf, bis 2020 Pläne vorzulegen, wie sie aus der Nutzung von Antibiotika als Wachstumsförderer aussteigen können. Außerdem bekannten sie sich in der Ministererklärung dazu, auch bei der Behandlung kranker Tiere den Antibiotika-Einsatz zu vermindern. Im Dokument findet sich ein Hinweis auf die Antibiotika-Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO), was Schmidt als „überraschend strikte Regelung“ gegen den „Antibiotika-Missbrauch“ wertete. Über die Antibiotika-Frage haben die Minister am längsten verhandelt, und es seien auch im Vorfeld „die schwierigsten Gespräche gewesen“, sagte Schmidt.

Big Data gegen Wasserverschwendung

Damit die Landwirtschaft in Zukunft weniger Wasser verschwendet und weniger Wasser so verschmutzt, dass es als Trinkwasser nicht mehr zu verwenden ist, sollen in Zukunft Daten und der Austausch von Daten eine wichtige Rolle spielen. Auch darauf einigten sich die Minister. Schmidt betonte, dass er „Big Data“ in der Landwirtschaft für „entscheidend“ halte, um die natürlichen Ressourcen, Wasser, Land und Boden effizienter zum Einsatz bringen zu können.

Hogan kündigte an, noch im ersten Halbjahr 2017 gemeinsam mit Umweltkommissar Karmenu Vella eine Erklärung über einen besseren Schutz der Wasserressourcen vorzulegen. Er sieht das als wichtigen Bestandteil der beginnenden Debatte über die nächste Agrarreform, die dann mit hoher Wahrscheinlichkeit nach dem Austritt der Briten aus der EU zum Tragen kommen wird – und mit entsprechend weniger Geld für die Agrarsubventionen wird auskommen müssen.

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