Wirtschaft : G 7 blicken optimistisch nach Asien

Finanzkrise beherrschbar / Nur leichter Wachstumsdämpfer für die Weltwirtschaft LONDON (ap).Die Finanz- und Wirtschaftskrise in Südostasien ist nach Meinung der sieben führenden Industrienationen (G 7) beherrschbar.Wenn Indonesien, Thailand, Südkorea und die Philippinen die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) auferlegten "bedeutenden und weitreichenden Reformen kraftvoll umsetzen", könne die Region wieder an das frühere Wirtschaftswachstum und das Vertrauen der Investoren anknüpfen, erklärten die Finanzminister und Notenbankchefs der G 7 zum Abschluß ihres eintägigen Treffens in London. Der G 7 gehören die USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan und Deutschland an.Vor allem die Lage in Indonesien bereitete der Runde noch Sorgen.Das Land wurde aufgefordert, die empfohlenen Reformen konsequent zu verwirklichen.Wie zuvor die EU lehnte auch die G 7 eine Anbindung der Rupie an den US-Dollar durch einen Currency Board ab.Die Lage in Indonesien soll in dieser Woche Hauptthema eines Treffens der Finanzminister des südostasiatischen Staatenverbundes (Asean) in Jakarta sein.Die zweitägige Tagung beginnt am Freitag. Die internationale Gemeinschaft hat der Krisenregion bisher ein Hilfspaket von 117 Mrd.Dollar geschnürt.Zur Flankierung vereinbarten in London die Garantieanstalten für Exportkredite der G-7-Länder, ihre Bürgschaften insbesondere im kurzfristigen Bereich fortzusetzen.1996/97 wurden Kredite über 15 Mrd.US-Dollar kurzfristig garantiert.Um Turbulenzen wie jetzt in Asien in Zukunft vorzubeugen, soll auch das Krisenmanagement auf den internationalen Finanzmärkten verbessert werden.Das weltweite Finanzsystem müsse "strukturell gestärkt" und transparenter gemacht werden.Dies gelte auch für die Aufsicht und Regulierung der Finanzmärkte, um die Funktionsfähigkeit von Finanzinstituten zu garantieren, hieß es im Schlußkommunique. Der britische Schatzkanzler Brown kündigte für das Gipfeltreffen der G 7/8-Länder Mitte Mai in Birmingham konkrete Vorschläge an.Die USA gaben zu bedenken, daß es sich um eine komplexe Sachlage handele, die für einen Konsens viel Zeit und Konsultationen erfordere.Die zentrale Rolle des IWF bleibt indes unumstritten.Sein flexibles Krisenmanagement in Asien wurde ausdrücklich anerkannt.Deutlich wurde, daß bei künftigen Problemen auch private Gläubiger frühzeitig einbezogen werden müßten."Private Geldgeber und Kreditnehmer müssen bereit sein", nicht nur Gewinne einzufahren, sondern "auf angemessene Weise einen Teil der Last mitzutragen", hieß in der Erklärung. Der von der Asienkrise zu befürchtende Wachstumsdämpfer für die Weltwirtschaft wird vom IWF mit "weniger als einem halben Prozentpunkt" als überschaubar bewertet.Deutschland müsse seine Wachstumsprognose für die Wirtschaft nicht korrigieren.Laut Finanzminister Waigel wird weiter ein Anstieg von 2,5 bis drei Prozent für 1998 erwartet."Der IWF sieht keine gravierenden Auswirkungen der Asienkrise auf Kontinentaleuropa", erläuterte er. Die Arbeitsminister der sieben führenden Industriestaaten und Rußlands haben am Sonntag über die Auswirkungen der Globalisierung auf die Beschäftigung beraten.Die Londoner Konferenz im Anschluß an das G-7-Treffen der Finanzminister und Notenbankgouverneure widmete sich dabei auch der Frage, welche neuen Möglichkeiten es für Menschen mit niedrigem Ausbildungsstand in der zunehmend technisierten Arbeitswelt geben könnte.Die Bundesrepublik wurde von Arbeitsminister Norbert Blüm vertreten. Die britischen Gastgeber bemühten sich um einen Brückenschlag zwischen dem vor allem in den USA umgesetzten Konzept einer Deregulierung des Arbeitsmarktes und dem kontinentaleuropäischen Ansatz der sozialen Marktwirtschaft.Auf dem Tisch des vierten Treffens dieser Art lagen Vorschläge, wie die Attraktivität der Arbeit im Vergleich zu Arbeitslosenunterstützung und Sozialhilfe gesteigert werden könnte.

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