Wirtschaft : G-7 gegen Dollar-Höhenflug

Intervention angedroht / Finanzmärkte aber wenig beeindruckt
WASHINGTON(rtr/AFP).Die sieben großen Industrieländer (G 7) haben einen erneuten Versuch unternommen, den Höhenflug des US-Dollars zu stoppen.Zum Abschluß ihrer Beratungen im Vorfeld der Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Washington verabschiedeten die Finanzminister und Notenbankchefs der G-7-Staaten eine Erklärung, in der sie sich gegen erhebliche Abweichungen der Wechselkurse von den wirtschaftlichen Grunddaten aussprachen.Bundesbank-Präsident Hans Tietmeyer sprach von einem klaren Signal an die Märkte.Diese zeigten sich allerdings unbeeindruckt.In Frankfurt stieg der Dollar um 1,6 Pfennig auf 1,7325 DM.Auch in Tokio gewann die US-Währung weiter an Wert. In ihrer gemeinsamen Erklärung hoben die Minister und Notenbankpräsidenten hervor, es sei wichtig, "Wechselkurse zu vermeiden, die zu einer Wiederkehr großer außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte führen könnten." Nach Angaben Tietmeyers sind die G-7-Länder willens, im Fall einer ungewünschten Marktentwicklung "geeignete Maßnahmen" zu ergreifen.Händler in Frankfurt bemerkten dazu, der Markt habe wesentlich heftigere Kommentare der G-7 gegen den Dollar erwartet.Tietmeyers Äußerungen hätten nichts Neues gebracht.Dies habe den Dollarkurs beflügelt.Es wird aber erwartet, daß die G 7 vor allem den japanischen Yen gegen den Dollar stützen wollen.Die Währung hat seit 1995 gegenüber dem Dollar rund 50 Prozent an Wert verloren. Weitere Themen des Treffens waren die Vorbereitungen für die Europäische Währungsunion (EWU) und die Beziehungen zu Rußland.Tietmeyer setzte sich erneut für solide Grundlagen für eine europäische Währungsunion ein und mahnte die Euro-Aspiranten, eine Teilnahme nicht mit allen Mittel erreichen zu wollen.Länder, die ihre Teilnahme erzwingen wollten, liefen Gefahr, die Währungsunion wieder verlassen zu müssen, mahnte der Bundesbankchef offenkundig mit Blick auf Italien. Auf die Frage zum Verhalten der Gruppe zu Rußland, deutete Finanzminister Theo Waigel an, der Weltwirtschaftsgipfel der G 7 im Juni werde sich möglicherweise zu einer vorwiegend politischen Konferenz unter Beteiligung Rußlands wandeln.Die Wirtschaftsthemen, die bisher traditionell den ersten Teil des Treffens der Staats- und Regierungschefs dominiert hatten, würden in diesem Fall vorwiegend auf die Ebene der Finanzminister verlagert, sagte Waigel.Inwieweit Rußland in die Gespräche der Finanzminister eingebunden werden soll, sagte er nicht.

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