Wirtschaft : G-7-Konferenz steht im Zeichen der Asienkrise

Finanzminister und Notenbanker tagen in London TOKIO (AP).Vor dem Hintergrund der noch immer nicht überwundenen Asienkrise kommen die Finanzminister und Notenbankgouverneure der sieben führenden Industrieländer (G-7) am Wochenende in London zu ihren Frühjahrsberatungen zusammen.Hauptthema der am Sonnabend beginnenden Konferenz werden Maßnahmen gegen die Wirtschafts- und Finanzprobleme in der einstigen Boomregion sein.Bundesfinanzminister Theo Waigel wird seinen Kollegen von den Ergebnissen seiner jüngsten Reise durch die Region berichten, die ihn nach Südkorea, Indonesien und am Donnerstag nach Thailand führte. Beobachter bezeichneten die G-7-Tagung als eine der wichtigsten in der jüngeren Vergangenheit, da ein Übergreifen der Asienkrise auf Lateinamerika und Osteuropa noch immer nicht gebannt sei und die Industrieländer einschließlich der Bundesrepublik die negativen Auswirkungen der Turbulenzen immer mehr zu spüren bekämen.Die Bundesbank schließt beispielsweise nicht aus, daß der jüngste leichte Dämpfer beim deutschen Exportwachstum auf sinkende Bestellungen aus Fernost und zugleich wachsende Konkurrenz durch asiatische Billigprodukte zurückzuführen ist. Weil auch schon die USA eine Wachstumsdämpfung infolge der Asienkrise gemeldet haben, mehren sich vor der Londoner Konferenz die Spekulationen, die G-7-Länder USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada könnten gemeinsame Finanzmarktinterventionen gegen den weiteren Verfall von Währungen und Börsenkursen in Ostasien beschließen. Zumindest eine klare gemeinsame Stellungnahme, daß man den Reform- und Sanierungsbemühungen der kriselnden Fernoststaaten vertraue, wird erwartet.Auch die Zusage zusätzlicher Kredit- und Handelsbürgschaften wird für möglich gehalten.Die weitere Unterstützung des mehr als 100 Mrd.Dollar umfassenden Hilfspakets des Internationalen Währungsfonds für die Region gilt als sicher.In Asien wächst außerdem die Hoffnung, daß nach dem G-7-Treffen der Dollarkurs sinkt, was Ländern wie Indonesien, Südkorea und Thailand einen Teil des enormen Schuldendrucks nehmen würde. Als wichtiges Einzelthema dürften die USA die japanische Wirtschaftspolitik auf die Tagesordnung setzen.In Washington ist man mit den bisherigen Schritten der Tokioter Regierung zur Ankurbelung der Konjunktur höchst unzufrieden.

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