Wirtschaft : G-7 pochen auf Währungsstabilität

Gegen überzogene Abwertungen / IWF erhöht Kapital

HONGKONG (ro/dpa).Die sieben wichtigsten Industrieländer haben vor überzogenen Währungsabwertungen gewarnt.Solche Entwicklungen müßten vor allem vermieden werden, wo sie zu großen Ungleichgewichten in den Handelsbilanzen führten, heißt es in einer Erklärung der Finanzminister und Notenbankchefs der G-7 zum Abschluß ihrer Tagung am Sonnabend in Hongkong. Unterdessen warnte die Bundesbank erneut vor Inflationsgefahren in Deutschland.Chefvolkswirt Ottmar Issing sagte in Hongkong, alle Zahlen gingen derzeit in die falsche Richtung.Allerdings sehe er solange noch kein größeres Problem, wie die Lohnpolitik zurückhaltend bleibe.Auch Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer räumte ein, daß er die Inflation nicht für grundsätzlich besiegt halte.Zu möglichen Zinserhöhungen sagte Tietmeyer lediglich, die Bundesbank beobachte alle Entwicklungen genau. Nach Auffassung von Tietmeyer und Bundesfinanzminister Theo Waigel gibt die jüngste Währungskrise in Asien Anlaß dazu, die Frühwarnsysteme des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu überprüfen.Tietmeyer hält die Verfahren mit Blick auf die aufstrebenden Finanzmärkte in Südostasien, aber auch in Osteuropa nicht für ausreichend.Dort sollen vor allem Banken und Versicherungen besser beaufsichtigt werden als bisher.Deshalb hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich 25 Grundregeln für solide Finanzinstitutionen aufgestellt, die am Sonnabend beim Treffen der G-7-Finanzminister und Notenbank-Präsidenten im Vorfeld der Jahrestagung von Weltbank und IWF allgemeine Zustimmung fanden. Die 1996 beschlossene gemeinsame Schuldeninitiative von IWF und Weltbank hat zwar nach Ansicht von Weltbank-Präsident James Wolfensohn "phantastische Fortschritte" gemacht - neben Uganda wurden jetzt auch Maßnahmen für Bolivien und Burkina Faso beschlossen - aber vor allem für Afrika muß nach Ansicht der USA und Großbritanniens mehr getan werden.Eine entsprechende Initiative soll auf dem Weltwirtschaftsgipfel 1998 in Birmingham konkretisiert werden.Unter anderem geht es darum, den Handel und Investitionen in Afrika zu erleichtern. Die G-7-Finanzminister und Notenbankpräsidenten einigten sich in Hongkong in Abstimmung mit der Geschäftsführung des IWF zudem darauf, die Quoten und damit die Kapitalausstattung des Fonds zu erhöhen.Die Einlagen sollen um 45 Prozent oder 65 Mrd.Sonderziehungsrechte (SZR) - umgerechnet rund 88,4 Mrd.Dollar - auf 209,5 Mrd.SZR oder 285 Mrd.Dollar steigen.Die Quoten legen den Umfang möglicher Kapitalhilfen des IWF und zugleich die Stimmrechte der 181 Mitgliedsländer fest.Deutschland muß nach diesem Beschluß eine zusätzliche Einlage von umgerechnet rund 9 Mrd.DM leisten.

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