Wirtschaft : G-8-Finanzminister lassen Hedge-Fonds in Ruhe

Anbieter sollen Standards selbst vereinbaren. DGB fordert verbindliche Regeln, Aktionärsschützer sind enttäuscht

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Werder - Die G-8-Staaten wollen die Risiken bei hochspekulativen Anlagegeschäften so genannter Hedge-Fonds eindämmen. Sie setzen auf „anspruchsvolle Standards“, die die Branche allerdings selbst vereinbaren soll, wie aus der Schlusserklärung des Treffens der G-8-Finanzminister am Samstag in Werder hervorgeht. „Wir brauchen mehr Transparenz zwischen Hedge-Fonds und Kreditoren“, sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), der das Treffen der Finanzminister der sieben wichtigsten Industrieländer und Russlands leitete.

Außerdem wurde ein Aktionsplan für Afrika verabschiedet, der die Länder vor einer neuen Schuldenkrise bewahren soll. Dabei geht es um mehr Transparenz bei Einnahmen aus Rohstoffen, damit diese nicht in „Nebenhaushalten“ verschwinden. In Sachen Welthandel sollen die festgefahrenen Verhandlungen so rasch wie möglich erfolgreich abgeschlossen werden, beschlossen die Minister.

Zu den Hedge-Fonds erklärte Steinbrück, mit einem Verhaltenskodex werde deren Glaubwürdigkeit gestärkt. Derzeit sei es beispielsweise Banken nicht möglich, eine Risikoanalyse zu erstellen. Ein Verhaltenskodex sei aber nicht gleichbedeutend mit staatlicher Regulierung, betonte der Minister. Steinbrück hofft, noch in diesem Jahr oder Anfang 2008 zu solchen verbindlichen Leitlinien zu kommen.

DGB-Chef Michael Sommer begrüßte die Initiative Steinbrücks, Hedge-Fonds zu einem wichtigen Thema des G-8-Gipfels zu machen, befürchtet jedoch, dass der Vorstoß ins Leere laufen könnte. „Nach der Tagung der Finanzminister zeichnet sich ein unzureichendes Ergebnis ab", sagte Sommer dem Tagesspiegel am Sonntag. „Bloße Appelle und eine unverbindliche Selbstverpflichtung reichen nicht aus, um die Risiken einzudämmen, die von diesen weitgehend unkontrolliert agierenden Finanzgiganten ausgehen", warnte der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Er forderte verbindliche internationale Regeln. Hedge-Fonds verwalten derzeit rund 1,6 Billionen Dollar und damit fünf Mal so viel wie 1999.

Der DGB habe in einer Studie des Finanzexperten Voth gangbare Wege zur indirekten Regulierung von Hedge-Fonds über Prime Broker vorgelegt. „Ich begrüße ausdrücklich, dass das Forum für Finanzstabilität und offenbar auch Minister Steinbrück dies ebenfalls anstreben. Sollte es aber aufgrund des Widerstands der USA und Großbritanniens keinerlei wirksame internationale Regulierung geben, werden sich die deutschen Gewerkschaften für nationale Vorschriften zur Abwehr möglicher, von Hedge-Fonds ausgehender Gefahren einsetzen", sagte Sommer.

Aktionärsschützer zeigten sich enttäuscht über den geringen Fortschritt der G-8-Finanzminister. „Der Berg kreißte und gebar eine Maus", sagte Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), dem Tagesspiegel am Sonntag. Engländer und Amerikaner hätten wenig Lust, sich von den Deutschen sagen zu lassen, wie sie die Hedge-Fonds in den Griff bekommen sollen, meinte der Aktionärsvertreter. „Sie haben es geschafft, sich auf nichtssagende Erklärungen zurückzuziehen.“ Dagegen lobte Kurz den ebenfalls von den Ministern beschlossenen Ansatz, die Aufsichtsbehörden stärker in die Pflicht zu nehmen. Sie sollten darauf achten, dass Banken Kredite an Hedge-Fonds nur mit einem vernünftigen Risikocontrolling vergeben. „Das macht Sinn“, sagte Kurz.

Der Geschäftsführende Vorstand des Bundesverbandes Deutscher Banken, Manfred Weber, begrüßte dagegen die Erklärung der G-8. Sie sei „ein deutliches Signal an die Hedge-Fonds-Industrie, die Aufsichtsbehörden und die Marktteilnehmer zur Stärkung des Informationsaustauschs und der Risikomanagement-Methoden“, sagte Weber. Ziel müsse sein, mehr Transparenz über Hedge-Fonds herzustellen, nicht aber ihre Geschäftstätigkeit zu beschränken. hej/dr/dpa

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