G20-Treffen : Alarm für die Weltwirtschaft

China, Brasilien, Russland – überall ist Krise. Die wirtschaftliche Lage ist ernster als viele behaupten. Ein Kommentar

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Das G20- Treffen in Ankara am 3. und 4. September 2015
Das G20- Treffen in Ankara am 3. und 4. September 2015Foto: AFP

Manchmal fragt man sich: Glauben die Führer der Welt eigentlich selbst an das, was sie sagen? An diesem Wochenende war wieder einer dieser Momente. In Ankara, der Hauptstadt eines Landes, das derzeit nicht nur von wirtschaftlichen, sondern auch von heftigen politischen Turbulenzen erschüttert wird, trafen sich die Finanzminister und Notenbankchefs der wichtigsten 20 Industrie- und Schwellenländer. Zwei Tage berieten die G 20 über die Weltwirtschaft und kamen dann zu folgendem Schluss: „Wir sind zuversichtlich, dass die Erholung der Weltwirtschaft an Geschwindigkeit gewinnen wird“, heißt es im Abschlusskommuniqué. Für Alarmstimmung gebe es keinen Grund.

44 Prozent seiner Autos verkauft VW in China

Keinen Grund? Seit Wochen crashen die Börsen in China. Viele Menschen dort haben ihre gesamten Ersparnisse verloren. Geld, das sie auf Geheiß der Regierung zuvor in Aktien investiert hatten. Nun ist es weg. Das ist bitter. Was aber noch mehr zu denken gibt, sind die verzweifelten Versuche der chinesischen Regierung, mit Interventionen die Märkte zu stabilisieren. Großen Erfolg hat sie damit bisher nicht, deshalb müssen Journalisten und Softwarefirmen als Sündenböcke herhalten. Hoffnung auf eine schnelle Wende macht das nicht.

Und das ist schlimm für eine Welt, in der alles mit allem verknüpft ist. Wenn Chinas Bürger kein Geld mehr haben, können sie auch die vielen teuren deutschen Autos nicht mehr bezahlen, die sie in der Vergangenheit so fleißig gekauft haben. 44 Prozent seiner Autos verkauft VW in China. Wenn der Markt einbricht, ist das ein Problem für die Manager in Wolfsburg. Und in Stuttgart. Und in München. Doch das ist nicht alles.

Vom nachlassenden Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte werden auch die Nachbarländer Chinas infiziert, deren Wirtschaften mit der chinesischen eng verbunden sind. Betroffen sind auch die Schwellenländer. Sie haben in der Vergangenheit jede Menge Rohstoffe an den gierigen Großabnehmer geliefert; doch China braucht nicht mehr so viel. Die Krise in China wird so auch zu einer Krise der Schwellenländer. Brasilien kann davon ein Lied singen, Südafrika, die Türkei und natürlich auch Russland, das von den europäischen Sanktionen ohnedies wirtschaftlich hart gebeutelt ist. Die Schwellenländer, lange Jahre die Lieblinge aller Finanzberater, sind entzaubert. Sie leiden zudem unter der Zinswende, die in den USA ansteht und die den Schwellenländern schon jetzt Anlegerkapital entzieht.

Griechenland als dauerhafter Subventionsempfänger

Bleiben die USA als Rettungsanker. Doch ganz so unbegrenzt sind die Möglichkeiten auch dort nicht. Es geht zwar bergauf, aber der Aufschwung kommt langsamer als erwartet. Im August sind weniger neue Jobs entstanden als erhofft, zudem lastet nach wie vor das gigantische Haushaltsdefizit über den Vereinigten Staaten. Von Europa ganz zu schweigen. Griechenland bekommt zwar neues Geld, doch keine Perspektive für seine Wirtschaft. Damit ist das Land als dauerhafter Subventionsempfänger abgestempelt. Kein Grund also für Alarmstimmung? Wer das meint, ist entweder ein hoffnungsloser Optimist, ein wenig naiv oder er sagt nicht die Wahrheit.

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