G7-Treffen : Finanzminister bleiben bei Hedge-Fonds wachsam

Die sieben führenden Industrieländer haben sich in der Debatte um mehr Transparenz bei Hedge-Fonds erstmals auf eine gemeinsame Linie verständigt. Sie wollen die hoch spekulativen Finanzinvestoren genauer unter die Lupe nehmen.

Essen - Angesichts der potenziellen und zunehmend komplexen Risiken des stark wachsenden Hedge-Fonds-Marktes müsse man wachsam sein, heißt es in der Abschlusserklärung der G7-Finanzminister und -Notenbankchefs. In dem nach zweitägigen Beratungen vereinbarten Papier heben die G7 aber auch den Nutzen der kaum kontrollierten Fonds für die Wirtschaft und die Effektivität der Finanzmärkte hervor.

Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat damit zum Beginn der deutschen G7/G8-Präsidentschaft einen wichtigen Teilerfolg erzielt und die USA und Großbritannien als Hauptakteure dieser Boombranche für seine Pläne gewinnen können. Er sprach von einem "gelungenen Einstieg in die Debatte." Er freue sich, dass es eine aufgeschlossene Diskussion gebe, sich in der Runde mit Risiken und mehr Transparenz zu befassen. Es sei auch im Interesse der Fonds selbst, die Aufsichtsbehörden in die Lage zu versetzen, Prophylaxe zu betreiben.

Zuletzt kam vor allem aus Großbritannien Widerstand, deren Finanzdienstleistungen einen großen Teil der Wirtschaft ausmachen. Die meisten der rund 9000 Hedge-Fonds, die weltweit ein Kapital von 1,4 Billionen US-Dollar verwalten, operieren aus dem angelsächsischen Raum. Ziel der G7 ist, mögliche Risiken aus den Aktivitäten der Hedge-Fonds auszumachen und so weltweite Finanzkrisen und Dominoeffekte bei Fondspleiten zu verhindern. Es geht den G7 nicht um eine Regulierung der Fonds.

Wichtig für das Finanzsystem

In der Abschlusserklärung heißt es, die Hedge-Fonds hätten einen bedeutenden Anteil an der Funktionsfähigkeit des Finanzsystems. Gleichwohl seien die potenziellen systembedingten und operativen Risiken im Zusammenhang mit diesen Aktivitäten komplexer und größer geworden. "Angesichts des starken Wachstums der Hedge-Fonds-Industrie und ihrer Handelsinstrumente müssen wir wachsam sein." Laut Bundesbank-Präsident Axel Weber zeigt diese Formulierung, dass die G7 alles andere als beruhigt seien. Die G7 verständigten sich, das Thema weiter zu verfolgen und mit der Branche Meinungen austauschen. Mit ausgewählten Fonds solle schnell in einen Dialog getreten werden.

Hedge-Fonds schließen quasi Wetten auf die Zukunft ab und wollen bei fallenden als auch steigenden Kursen weit überdurchschnittliche Renditen erzielen. Davon wollen auch Banken profitieren, die Fonds mit frischem Geld versorgen. In Essen wurden zunächst nur Fakten über die Branche erörtert. In Deutschland stehen einige Fonds am Pranger im Zusammenhang mit der in der SPD geführten "Heuschrecken"-Debatte.

Deutschland hat in diesem Jahr den Vorsitz der G7-Runde, der neben den USA und Großbritannien auch Frankreich, Kanada, Italien und Japan angehören. Das Treffen in Essen, an dem auch Vertreter der wichtigen Schwellenländer China, Indien, Mexiko, Brasilien und Südafrika teilnahmen, war Auftakt der Vorbereitungen zum Weltwirtschaftsgipfel Anfang Juni im Ostseebad Heiligendamm. An diesem G8-Gipfel der Staats- und Regierungschefs nimmt neben den sieben führenden Industrienationen auch Russland teil.

USA: Hedge-Fonds für Altersvorsorge

Steinbrück hatte zuvor gewarnt, Hedge-Fonds pauschal zu verurteilen und das Thema zu "martialisch" mit überzogenen Forderungen anzugehen. Die positive Wirkung und der Nutzen der Fonds als Geldgeber für die Wirtschaft dürfe nicht vernachlässigt werden. Es sei schon ein Erfolg, dass die G7 überhaupt über das Thema reden: "Das hat es so in dem Kreis noch nicht gegeben." Die USA haben vor allem Anlegerschutz im Sinn. Denn zahlreiche Pensionsfonds, die dort eine wichtige Säule der Altersvorsorge sind, haben ihr Geld in Hedge-Fonds angelegt.

Erwogen wird, bei Banken Informationen einzuholen, wie viel Geld sie an die Fonds verliehen haben und wo diese Gelder angelegt sind. Erhofft werden Auskünfte zur Risikostreuung. Dominoeffekte in Finanzkrisen sollen vermieden werden. Die Fonds selbst sollen ihre Informationspolitik überdenken. Ziel ist dem Vernehmen nach ein freiwilliger Verhaltenscodex. Im Gespräch ist auch eine Art Gütesiegel für die Fonds durch unabhängige Rating-Agenturen. (tso/dpa)

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