Wirtschaft : Gabriel an der Seite von Hochtief

SPD-Chef: Regierung soll im Abwehrkampf helfen

Markus Hennes (HB)
Gabriel in Essen. Der SPD-Chef am Donnerstag in der Hochtief-Zentrale. Foto: rtr
Gabriel in Essen. Der SPD-Chef am Donnerstag in der Hochtief-Zentrale. Foto: rtrFoto: REUTERS

Essen - Beifall brandet auf, als Sigmar Gabriel an das Rednerpult tritt. Mehrere Hundert Mitarbeiter von Hochtief drängeln sich in der Firmenzentrale des Essener Baukonzerns. Und sie erwarten vom SPD-Chef tatkräftige Unterstützung in Hochtiefs Abwehrkampf gegen den spanischen Rivalen ACS. Sichtbar wird dies an den großen weißen Plakaten, die an den Geländern bis hinauf in die fünfte Etage hängen. „11 000 Wähler brauchen Ihre Hilfe“ oder „Herr Gabriel, kämpfen Sie für uns!“. Schließlich ist der SPD-Chef der erste prominente Bundespolitiker, der öffentlich Flagge zeigt. Von der schwarz-gelben Bundesregierung fühlen sich die meisten im Stich gelassen.

Unter den Protestlern sind die Angestellten im Businesslook eindeutig in der Mehrzahl. Vor allem die Mitarbeiter aus der Holding ahnen, dass Hochtiefs Chancen, die eigene Unabhängigkeit zu behalten, schwinden. Und jetzt läuft Hochtief die Zeit davon. Denn am Donnerstag hat der ungeliebte Großaktionär ACS das offizielle Übernahmeangebot bei der Finanzaufsicht Bafin vorgelegt. Spätestens Anfang November wird die Behörde die Unterlagen geprüft haben, danach beginnt die Frist zur Annahme des Angebots.

Die Offerte ist zwar so unattraktiv, dass wahrscheinlich kaum ein Hochtief-Aktionär darauf eingehen wird. Denn im Tausch gegen acht Hochtief-Papiere bietet ACS fünf Anteilsscheine des eigenen Unternehmens an. Bei den aktuellen Kursen beider Unternehmen würden die Hochtief-Aktionäre knapp fünf Prozent Verlust machen. Aber die mickrige Offerte der Spanier ist kühl kalkuliert. Denn nach Ablauf der Übernahmefrist kann der hochverschuldete ACS-Konzern weitere Hochtief-Aktien über die Börse zukaufen. Die Spanier profitieren dabei von einer Lücke im deutschen Übernahmerecht. Im Unterschied zu anderen europäischen Staaten muss ein Angreifer in Deutschland nach Überschreiten der Schwelle von 30 Prozent der Anteile kein weiteres Angebot an alle Aktionäre mehr vorlegen. Finanzexperten gehen deshalb davon aus, dass ACS die angestrebte Kapitalmehrheit an Hochtief früher oder später erreicht. Und dann hätten die Spanier freie Hand: Sie könnten damit beginnen, die Tochter auszuplündern – auch wenn sie noch das Gegenteil behaupten.

Auch Gabriel sieht diese Gefahr. Und deshalb ruft er die Belegschaft von Hochtief zur Geschlossenheit auf: „Sie müssen beieinanderbleiben , lassen Sie sich nicht auseinander treiben.“ Allerdings sieht Gabriel andere in der Pflicht. Er fordert die Bundesregierung auf, sich aktiv in den Abwehrkampf einzuschalten. Nicht etwa mit Geld, so wie bei Holzmann oder Opel. „Wir reden hier über ein erfolgreiches Unternehmen, das keinen Cent staatliche Hilfe braucht.“ Stattdessen müsse die Regierung dabei helfen, ein Konsortium zusammenzustellen, das eine Sperrminorität von 25,1 Prozent an Hochtief übernimmt. Jetzt sei die Wirtschaft gefragt. Statt in Schrottpapiere, meint Gabriel, sollten die Unternehmer wieder in die Realwirtschaft investieren – „dort, wo die echten Werte sind“. Markus Hennes (HB)

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