Wirtschaft : Gagfah übernimmt Berliner Wohnungen

Immobilienkonzern kauft für 370 Millionen Euro ein – vor allem in guten Lagen

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Berlin - Der Immobilienkonzern Gagfah hat auf dem Berliner Wohnungsmarkt kräftig eingekauft. Für 5900 Einheiten seien Kaufverträge oder Absichtserklärungen abgeschlossen worden, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Es gehe hauptsächlich um Wohnungen in bester Lage in der Hauptstadt. Welche Objekte genau erworben wurden, teilte Gagfah jedoch auch auf Anfrage nicht mit. Es hieß lediglich, 4900 Wohnungen würden von der Apellas-Gruppe übernommen. Für insgesamt 360 000 Quadratmeter Wohnfläche würden 370 Millionen Euro bezahlt.

Das Geschäft zwischen Apellas und Gagfah spielt vor dem Hintergrund der Personalie Ulrich Weber: Weber war im vergangenen Jahr als geschäftsführender Gesellschafter aus der Firma Apellas ausgeschieden und in den Vorstand der Gagfah eingerückt. Dort ist er zuständig für „Akquisition“, den Zukauf von Wohnungen. Die nun erfolgte Übernahme der Objekte, deren Miteigentümer Weber als Apellas-Gesellschafter war, wurde zudem durch einen Strategiewechsel bei Apellas erleichtert: Die Firma, die mit dem Geld aus Fonds des Milliardärs Georges Soros finanziert wird, will sich künftig auf den Erwerb von Gewerbeimmobilien konzentrieren.

Zu dem Wohnungsbestand, den Apellas in rund drei Jahren erworben hatte, zählten unter anderem frühere Bundesimmobilien in begehrter Lagen im Südwesten Berlins: 1100 Objekte in der Hüttenwegsiedlung in Dahlem (heute: „Parkviertel“) sowie 400 Wohnungen in der Argentinischen Allee und nahe Schlachtensee im Stadtteil Zehlendorf. Die Zehlendorfer Objekte hatte Apellas vor nicht einmal einem Jahr für 50 Millionen Euro von der Bundesbank gekauft.

Die Gagfah gehörte bis zum Jahr 2004 der Bundesanstalt für Angestellte (BfA). Für gut 2,1 Milliarden Euro verkaufte diese ihre Anteile an den US-Investor Fortress, der auch die Schulden der Wohnungsbaugesellschaft übernahm. Für die damaligen Mieter wurde eine Sozialcharta beschlossen, um bis 2014 übermäßige Mietsteigerungen zu verhindern. Fortress kündigte beim Gagfah-Kauf an, die Gesellschaft solle die Plattform für weitere Akquisitionen von Wohnungen darstellen. Im Oktober 2006 wurde die Gagfah, deren Sitz mittlerweile Luxemburg ist, an die Börse gebracht. Die Aktie, die für 19 Euro ausgegeben wurde, schloss am Mittwoch bei 23,85 Euro. Fortress hält noch mehr als 68 Prozent an der Gesellschaft.

Die 370 Millionen Euro, die die Gagfah jetzt investieren will, entsprechen etwa einem Viertel dessen, was jährlich in Zukäufe gesteckt werden soll. Nach eigenen Angaben verwaltet die Gagfah bereits fast 160 000 Mietwohnungen in rund 150 Städten. Das Geschäftskonzept sieht vor, den Leerstand zu verringern, Mieten zu erhöhen oder die Wohnungen an die Mieter zu verkaufen. Der Deutsche Mieterbund sieht die Strategie kritisch. Der durch den Börsengang gestiegene Renditedruck führe zu Mieterhöhungen.

Trotzdem sehen viele Kommunen gerade im Verkauf von Wohnungen eine gute Einnahmequelle. Die Stadt Dresden zum Beispiel wurde dadurch auf einen Schlag schuldenfrei. Aber auch für die Finanzinvestoren sind Wohnungen in Deutschland immer noch interessant. Denn im Vergleich zu anderen großen europäischen Ländern gilt der hiesige Immobilienmarkt als noch günstig. Insbesondere Berlin hat sich zu einem begehrten Investitionsziel entwickelt, obwohl die Preise stark gestiegen sind. In den vergangenen Jahren wechselten mehr als 130 000 städtische Wohnungen in Privatbesitz. Vor der Abgeordnetenhauswahl im vergangenen Jahr war stark umstritten, ob sich das Land von weiteren Wohnungsbaugesellschaften trennen sollte oder nicht. Die verbliebenen Anteile sind nach Expertenschätzung rund fünf Milliarden Euro wert. Verkaufsdruck besteht aber nicht, weil die Unternehmen langsam wieder eine angemessene Rendite erwirtschaften. mit dpa/ddp

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