Gamescom : „Das verändert unsere Kultur“

Wie Smartphones die Computerspiele-Branche verändern. Andreas Lange, Direktor des Computerspiele-Museums in Berlin, im Interview.

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Foto: Jörg Metzner/promo
Foto: Jörg Metzner/promo

Herr Lange, wie haben sich Computerspiele seit den 80ern verändert?

Natürlich sind die Computer leistungsfähiger geworden. Das hat einige Genres überhaupt erst möglich gemacht: zum Beispiel Onlinespiele. Einer der interessantesten Aspekte ist, dass sich neue virtuelle Gesellschaften bilden. Menschen lernen sich dort kennen, organisieren sich, es entstehen Freundschaften. Das ist eine neue Qualität.

Welche Rolle spielen neue Geräte wie Smartphones?

Sie sind einer der Megatrends. Smartphones haben inzwischen den klassischen Geräten wie dem Gameboy den Rang abgelaufen. Kein Wunder: Jeder hat sein Smartphone ständig dabei, ist ständig online. Das verändert unsere Kultur.

Inwiefern?

Die Geräte sind meistens mit GPS-Technologie ausgerüstet, so dass neue Formen wie Mixed-Reality-Games möglich sind, also Spiele, bei denen die Teilnehmer über Internetcommunities organisiert sind und sich in der realen Welt treffen.

Das ist ein Gegenbild zum Klischee des sonderbaren Einzelgängers, der sich zu Hause vor seinem Rechner eingräbt.

Richtig. Wir haben im Oktober ein Event zu Shadow City. Das läuft über Google Maps. Die Spieler sind über ihre Smartphones vernetzt und versuchen, bestimmte Stadtteile in der Realität zu „erobern“. Das spricht eine breite Zielgruppe an – auch Frauen und ältere Menschen.

Der Spieltrieb der Computergeneration ist also in der Gesellschaft angekommen.

Im Grunde reden wir über nichts anderes als über die menschliche Lust und Fähigkeit zu spielen. Das lässt sich zurückverfolgen bis an die Anfänge der Zivilisation. Denken Sie an das antike griechische Theater. Es geht immer darum, eigene Welten zu kreieren.

In Unternehmen sollen Spiele die Motivation steigern.

Das ist tatsächlich ein Trend. Wir erleben die digitale Revolution und müssen uns zurechtfinden. Spielerisch lernt man am besten. Da liegt es nahe, dass man sich auch bei nichtspielerischen virtuellen Umgebungen – und eine solche ist die Arbeitswelt – an Computerspielen orientiert.

Die Arbeit als Spiel, geht das nicht zu weit?

Unsere Lust am Spiel wird durch die Endlichkeit bestimmt. Menschen macht es Angst, wenn Realität und Spiel sich zu sehr vermischen. Denken Sie an den Film „The Game“, in dem Michael Douglas seinen Alltag als Horror erlebt, weil er nicht unterscheiden kann, ob es Ernst oder Spiel ist.

Die Kinder der 80er werden langsam alt. Sind Senioren-Spiele künftig der Renner?

Sie sind noch nicht als Genre definiert. Aber ich bin sicher, das kommt – noch ist die C64er-Generation ja nicht im Rentenalter.

Andreas Lange (45)

ist Direktor des

Computerspielemuseums in der Berliner Karl-Marx-Allee. Rund 3000 Spiele und Konsolen sind dort ausgestellt. Mit Lange sprach Simon Frost.

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