Wirtschaft : Ganz Europa kauft in Deutschland ein

Die Bundesrepublik exportierte im März so viel wie nie zuvor – dank kräftiger Nachfrage aus der EU

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Berlin - Die Bedingungen für Export-Rekorde sehen eigentlich anders aus. Der Euro ist teuer, die Rohstoffpreise sind auf hohem Niveau, die Schuldenkrise lastet auf Europa. Dennoch trotzen die deutschen Exporteure der Lage nicht nur, sie verkauften im März so viele Waren ins Ausland wie nie zuvor seit Bestehen der Bundesrepublik. Deutschland führte nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes Waren im Wert von 98,3 Milliarden Euro aus – 15,8 Prozent mehr als im März vergangenen Jahres. Das übertrifft deutlich die bisherige Rekordmarke von 88,8 Milliarden Euro von April 2008. „Nach ersten Auswertungen geht der Anstieg quer durch alle Warenbereiche“, sagte Dirk Mohr vom Statistischen Bundesamt. Traditionell sind die Autoindustrie, der Maschinenbau und die chemische Industrie die exportstärksten Wirtschaftszweige. „Die Unternehmen haben ihre Chancen im Aufschwung klug genutzt“, kommentierte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP).

Grund für den starken Export ist die hohe Nachfrage aus den EU-Ländern, die im März um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr anzog. Der Export in EU-Länder, die nicht der Eurozone angehören, legte gar um 20 Prozent zu. Die Impulse kämen nicht mehr nur aus boomenden Schwellenländern, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, der Nachrichtenagentur Reuters. „Das lässt hoffen, dass der Aufschwung nicht so schnell abreißt – denn die Erholung in Europa ist noch jung“, Für das Gesamtjahr steht bei den Exporten ebenfalls ein Rekord in Aussicht: „Die Billionen-Marke wird erstmals geknackt“, sagte Treier.

Auch bei den Importen wurden bisherige Höchstmarken übertroffen. Im März führte Deutschland Waren im Wert von 79,4 Milliarden Euro ein, fast 17 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Damit lagen die Einführen 5,3 Milliarden Euro über dem alten Rekordwert von November 2010. „Wir konsumieren und investieren mehr in Deutschland“, sagte Treier. Aber auch hohe Rohstoffpreise hätten den Einfuhrwert steigen lassen. Die hohen Importe unterstrichen, „dass sich die Binnennachfrage weiter belebt und dies auch unseren Handelspartnern zugute kommt“, sagte Wirtschaftsminister Brüderle.

Nach Ansicht vieler Experten wird der Export trotz der zahlreichen Risiken weiter stark bleiben. Der Branchenverband BGA warnt aber vor zu viel Euphorie. „Wo viel Sonne ist, ist auch Schatten“, sagte BGA-Präsident Anton Börner. Zwar habe der Außenhandel die Krise hinter sich gelassen. Doch sei „die brisante Lage in Libyen und Syrien nicht gebannt und könnte zu destabilisierenden Auswirkungen auf die gesamte Region führen“, sagte Börner. Auch die Schuldenkrise einiger Staaten im Euroraum sei keineswegs ausgestanden und der Inflationsdruck nehme stark zu. Deshalb seien „Erfolge im Außenhandel keine Selbstläufer“, betonte Börner. Jahel Mielke

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