Wirtschaft : Gardena wird schwedisch

Ulmer Gartengerätehersteller geht für 730 Millionen Euro an den Konkurrenten Husqvarna

Yasmin El-Sharif

Berlin - Der Gartengerätehersteller Gardena wird vom schwedischen Wettbewerber Husqvarna geschluckt. 730 Millionen Euro müssen die Schweden an den Finanzinvestor Industri Kapital, den bisherigen Besitzer von Gardena, zahlen, gab Gardena am Donnerstagmorgen bekannt. „Der Vertrag wurde gerade noch am späten Mittwoch, genau um 23 Uhr 59, unterzeichnet“, sagte Heribert Wettels, Pressesprecher bei Gardena, dem Tagesspiegel.

Der Kaufpreis beinhalte die Übertragung von Schulden, Gesellschaftsdarlehen und Rückstellungen für Pensionen in Höhe von 416 Millionen Euro. Das komplette Unternehmen würde voraussichtlich gegen Ende des ersten Quartals 2007 an Husqvarna gehen, sagte der Sprecher – vorausgesetzt die Kartellbehörden stimmten zu.

Marktbeobachter halten den Verkaufspreis für recht hoch. Denn erst vor vier Jahren hatte Industri Kapital für Gardena geschätzte 350 Millionen Euro gezahlt. Damit hat sich der Preis inzwischen mehr als verdoppelt. Gardena-Sprecher Wettels sieht das jedoch als angemessen an. „Gardena hat sich einen besonders guten Namen gemacht, von dem Husqvarna ganz sicher profitiert.“ Hinzu komme, dass das Unternehmen eine gute Bilanz vorweisen könne. So steigerte Gardena im Geschäftsjahr 2005/2006, das Ende September aufhört, seinen Umsatz um sieben Prozent auf rund 422 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (Ebitda) stieg um 13 Prozent auf 77 Millionen Euro. „Das ist das beste Ergebnis in der gesamten Firmengeschichte Gardenas“, sagte Wettels.

Zahlen, die wohl auch den schwedischen Konzern überzeugten. Der Vorstandsvorsitzende von Husqvarna, Bengt Andersson, sagte: „Gardena hat mit innovativen Produkten und einem herausragenden Kundendienst eine sehr starke Marke aufgebaut. Die Verbindung der beiden Unternehmen schafft nun Chancen für neues Wachstum sowohl für die Produkte von Gardena als auch für diejenigen von Husqvarna.“

Dabei wolle Husqvarna, das sich als weltgrößter Hersteller von Kettensägen, Rasenmähern und anderen Motor-Gartengeräten bezeichnet, vor allem vom starken Auftritt Gardenas in Europa Nutzen ziehen. Im Gegenzug solle der deutsche Gerätehersteller auf dem US-Markt stärker Fuß fassen.

Die Übernahme soll auf die rund 2900 Gardena-Mitarbeiter weltweit, wovon sich etwa 1600 an den drei deutschen Standorten in der Region Ulm befinden, keine Auswirkungen haben, sagte der Sprecher. „Das war zu keiner Zeit Gegenstand der Vertragsverhandlungen.“ Er gehe eher davon aus, dass es durch die Zusammenführung stärkere Auslastungen gebe. Auch für die Kunden solle sich nichts ändern, meinte Wettels. „Vielleicht gibt es demnächst ein paar Produkte mehr, die den Namen Gardena tragen, aber an der Tradition ändert sich nichts.“

Gardena befand sich seit 2002 im Besitz von Industri Kapital. Der Finanzinvestor trieb kontinuierlich die Internationalisierung voran. In der Folge habe Gardena in Süd- und Osteuropa Wachstumsraten in zweistelliger Höhe erreicht, sagte Detlef Dinsel von Industri Kapital. „Für uns war Gardena eine gute Investition, was auch an dem starken Interesse an dem Unternehmen im Verkaufsprozess deutlich wurde.“ Bei der Auswahl des künftigen Eigentümers hätten die Entwicklungsmöglichkeiten des Geschäfts, die Husqvarna geboten hat, eine große Rolle gespielt.

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