Gartenbau : Konzern Syngenta trennt sich von Blumensaatsparte

Der Schweizer Hersteller Syngenta verkauft sein Geschäft mit Saatgut und Setzlingen für Hobbygärtner. Der Schritt ist eine Reaktion auf die Marktkonsolidierung.

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Balkonidylle. Hobbygärtner lassen sich ihre Freude am Grün einiges kosten.
Balkonidylle. Hobbygärtner lassen sich ihre Freude am Grün einiges kosten.Foto: dpa

Der Schweizer Pflanzenschutz- und Düngemittelhersteller Syngenta will das Geschäft mit Hobbygärtnern aufgeben. Die Sparte Blumensaatgut und Setzlinge für den Freizeitbereich soll verkauft werden. Das Unternehmen wolle Syngenta Flowers veräußern und sich in Zukunft auf „hochwertige chemische Wirkstoffe“ für den professionellen Markt wie Golfplatzmanagement und Schädlingsbekämpfung konzentrieren und dort investieren, teilte Syngenta am Mittwoch mit. Weitere Angaben zu der geplanten Veräußerung wie etwa Informationen über einen potenziellen Käufer wollte das Unternehmen auf Nachfrage nicht herausgeben.

Syngenta will künftig verstärkt in die Bewirtschaftung von Golfplätzen investieren

Der Konzern hat unter anderem ein spezielles Programm für die Bewirtschaftung der Böden auf Golfplätzen entwickelt. „Syngenta hält Golfplätze aus sozialer, ökologischer und ökonomischer Sicht für wichtig“, sagte eine Unternehmenssprecherin dem Tagesspiegel. Der in Basel ansässige Konzern zählt sich auf seiner Homepage zu den „Pionieren in der Pflanzenzucht und bei der Anwendung innovativer Technologien“ und bietet nach eigenen Angaben das industrieweit breiteste Angebot an Topf- und Beetpflanzen.

Das Unternehmen produziert pro Jahr mehr als eine Milliarde Jungpflanzen

Als Marktführer im Geschäft mit Pflanzen für den Massenmarkt produziert Syngenta pro Jahr mehr als als 500 Millionen Stecklinge, mehr als fünf Millionen Gramm Saatgut und eine Milliarde Jungpflanzen. Zum Produktsortiment des Hauses zählen unter anderem vier der sechs meistverkauften Blumensorten weltweit: Geranien, Stiefmütterchen, Fleißige Lieschen und Chrysanthemen. Zusammengenommen machten diese rund 60 Prozent des gesamten Blumenmarktes aus. Neben klassischem Blühwerk wie Begonien oder Petunien entwickelt und züchtet Syngenta auch neue Pflanzensorten.

Der Schritt ist veränderten Kundegewohnheiten und Vertriebskanälen geschuldet

Syngenta reagiert mit dem Schritt nach eigenen Angaben auf veränderte Kundengewohnheiten und Vertriebskanäle. Im Markt für Hobbygärtner-Bedarf ist derzeit eine Konsolidierung im Gange. Die Sparte Lawn & Garden von Syngenta, zu der das Geschäft mit Blumensaaten gehört, trug im vergangenen Jahr weniger als fünf Prozent zu Syngentas Konzernumsatz von 15 Milliarden Dollar (umgerechnet 13,6 Milliarden Euro) bei. „Die Veräußerung ermöglicht es der neuen Entität, eine führende Rolle bei der Konsolidierung des Marktes für den Hobby- und Freizeitbereich zu übernehmen“, heißt es in einer Mitteilung von Syngenta.

US-Konkurrent Monsanto will die Syngenta übernehmen

Der Schweizer Konzern ist derzeit im Visier seines Rivalen und Genpflanzen-Produzenten Monsanto aus den USA. Dessen Übernahmeangebote bewerten Syngenta mit 42 Milliarden Schweizer Franken (umgerechnet rund 38,9 Milliarden Euro). Der Konzern in Basel wies die Angebote wiederholt zurück. Insidern zufolge bereitet der deutsche Chemiekonzern BASF derzeit ein mögliches Gegenangebot für Syngenta vor.

Die Deutschen sind fleißige Hobbygärtner

Deutsche Profi- und Hobbygärtner waren für das Schweizer Unternehmen bislang gute Kunden: Der hiesige Markt für Blumen und Zierpflanzen verzeichnete nach Angaben der in Bonn ansässigen Agrarmarkt Informations-Gesellschaft in den vergangenen Jahren stabile Umsätze. Lediglich im Jahr 2013 hätten die Pflanzenlieferanten witterungsbedingt Einbußen hinnehmen müssen, weil Kleingärtner wegen eines vergleichsweise kurzen Frühlings weniger Geld für die Garten- und Balkonbepflanzung ausgegeben hätten, als sie dies üblicherweise tun. Wie ungebrochen die Lust der Deutschen am Gärtnern generell ist, zeigen Zahlen des Kölner Instituts für Handelsforschung aus dem vergangenen Jahr: 2014 investierten die Bundesbürger rund 18 Milliarden Euro in ihre Gärten und Balkone, rund zehn Milliarden davon in Grünpflanzen.

Die Massen bevorzugen pflegeleichte Pflanzensorten

Allerdings gehen Experten davon aus, dass das Geschäft mit Blumen, Saatgut und dergleichen so gut wie gesättigt ist und der Konsum in dem Bereich in Zukunft tendenziell eher ab- als zunehmen wird. Hersteller und Händler seien konsequenterweise auf der Suche nach neuen Marketingstrategien, um ihre grünen Produkte auch in Zukunft an den Kunden zu bringen. Laut Syngenta setzen Hobbygärtner beim Pflanzenkauf vor allem auf farbenfrohe, blühfreudige Sorten, die zudem wenig Pflege brauchen. Für professionelle Pflanzenzüchter seien dagegen neben der hohen Qualität des Produkts auch Faktoren wie ein vorhersagbares Pflanzenwachstum und gentechnische Fragen relevant.

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