Wirtschaft : Gasag macht beim Konzernumbau Tempo

BERLIN (dw).Berlins Gas-Versorger Gasag setzt die Pläne zum Konzernumbau zügig um.Wie eine Sprecherin am Freitag bestätigte, sollen noch in der ersten Jahreshälfte zwei größere Unternehmensteile ausgelagert werden.Es handele sich dabei um den Service-Bereich und den Bereich IT-Services (Informationstechnologie).

Der Service-Bereich solle künftig als unabhängiges "Customer Care Center" zusammen mit Partner weiterbetrieben werden.Das Customer Care Center soll für die Kundenabrechnung der Gasag zuständig sein, aber auch externen Unternehmen verwandte Dienstleistungen anbieten.Es sei nicht auszuschließen, daß sich der Stromversorger Bewag an der Service-Gesellschaft beteiligt, hieß es.Rund 400 Gasag-Mitarbeiter würden in das Customer Care Center übernommen.Der IT-Bereich soll ebenfalls künftig ausgelagert werden und mit Partnerunternehmen spezifische Abrechnungsprogramme enwickeln sowie Dienstleistungen für Dritte erbringen.Über die Auslagerung von weiteren Unternehmensteilen - möglich wären etwa Fuhrpark, Handel/Vermarktung, Speicherung und Verteilung - sei bislang noch keine Entscheidung getroffen, erklärte die Gasag.Insgesamt, so hatte Schulten schon Ende letzten Jahres erklärt, könne die Gasag in zehn bis 15 Profit-Center aufgeteilt werden.

In einem Gespräch mit dem "Handelsblatt" hatte der Vorstandschef der Gasag, Rudolf Schulten, die Kooperation des Betriebsrates und der Gewerkschaften gelobt.Es werde zur Zeit auch die Einrichtung einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft geplant, die bis zu 700 Gasag-Mitarbeiter übernehmen könne.Das Outsourcing sei notwendig, um die Gasag nach überplanmäßig hohen Verlusten von 70 Mill.DM im vergangenen Jahr rasch wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen.Nach Benchmarking-Vergleichen mit westdeutschen Gasversorgern gilt der Beschäftigungsstand des Berliner Gasversorgers zur Zeit noch um 50 Prozent überhöht.Nach den gegenwärtigen Planungen soll der Personalstand von jetzt 2500 auf 1400 im Jahre 2003 gesenkt werden.Für den Stellenabbau sollen keine betriebsbedingten Kündigungen notwendig werden.

Ursprünglich hatte die Gasag mit der Reduzierung des Jahresdefizits auf 50 Mill.DM in 1998 gerechnet.Der von der Bewag Mitte des Jahres herübergewechselte Rudolf Schulten mußte allerdings im Herbst einräumen, daß das Ziel nicht erreicht werden könne.1998 werde ein Defizit von 70 Mill.DM entstehen.Preissenkungen hätten die Umsatzerlöse 1998 von 891 Mill.DM auf 850 Mill.DM gedrückt.Der Absatz sei auf dem niedrigen Niveau von 14,5 Mrd.Kilowattstunden stabil geblieben.

Für 1999 kündigte Schulten in dem "Handelsblatt"-Gespräch an, den Gasabsatz - normalen Witterungsverlauf vorausgesetzt - um fünf Prozent zu steigern.Auch das Kostensenkungsprogramm solle forciert werden.Angepeilt werde eine Ergebnisverbesserung um 30 Mill.DM, sagte Schulten dem "Handelsblatt".Einen Teil davon will die Gasag auch aus Vermögensaktivierung gewinnen: So könnten Grundstücke, die zum Betrieb nicht notwendig seien, voraussichtlich für eine zweistellige Millionensumme veräußert werden.In seinem ersten Interview als Gasag-Vorstand im September letzten Jahres hatte Schulten angekündigt, das Ergebnis des Gasversorgers in drei Jahren um 150 Mill.DM zu verbessern.Allein die Kostenseite könne dabei um 100 Mill.DM reduziert werden.Der neue Anteilseigner Gaz de France könne für die Gasag Vorteile beim Einkauf realisieren.Für das Jahr 2000 hatte Schulten den Schritt über die Gewinnschwelle angkündigt.

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