Wirtschaft : Gasag unter neuer Führung

BERLIN (dw).Die Gasag bekommt eine neue Führungsspitze.Der Aufsichtsrat des Berliner Gasversorgers berief am Montag in einer außerordentlichen Sitzung Rudolf Schulten und Georges Hoffmann zu neuen Mitgliedern des vierköpfigen Vorstandes.Damit rücken Vertreter der beiden neuen Hauptaktionäre Gaz de France (38,16 Prozent) und Bewag (25 Prozent) in das Führungsgremium nach.Als Bieterkonsortium hatten sich beide Unternehmen im vergangenen Jahr im Privatisierungsverfahren durchgesetzt.Beide Unternehmen hatten damals bereits erklärt, im Falle des Zuschlags auch "unternehmerische Verantwortung" in der Gasag zu übernehmen und diese nicht lediglich als Kapitalbeteiligung zu betrachten.Nun übernimmt der von der Bewag vorgeschlagene Schulten den kaufmännischen Bereich von Jörg-Olaf Liebetrau, Georges Hoffmann folgt Arno Reintjes als Vertriebschef der Gasag nach.

Der 43jährige Schulten ist seit 1994 Hauptabteilungsleiter und Prokurist bei der Bewag und dort zuständig für die Bereiche Betriebswirtschaft und Rechnungswesen.Seine berufliche Laufbahn begann der Diplom-Kaufmann als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Energiewirtschaftlichen Insitut der Universität Köln.Ab 1984 war er drei Jahre Assisstent des kaufmännischen Vorstandes der Ruhrgas AG, danach sechs Jahre Unternehmensberater, zuletzt bei Roland Berger in Düsseldorf.Bevor Schulten zur Bewag wechselte, war er Leiter der Unternehmensplanung der Wintershall AG in Kassel.

Der Reintjes-Nachfolger Hoffmann war bis dato stellvertretendes Vorstandsmitglied der Gaz de France.Der gebürtige Elsässer war dort für die Bereiche Gastransport und Großkunden-Vertrieb zuständig.Hoffmann war zunächst von 1970 bis 1986 für das französische Energieunternehmen tätig, zuletzt als stellvertretender Direktor.Nach einigen Jahren als geschäftsführender Direktor bei der EDF GDF Services wechselte er 1991 als Geschäftsführer zur Erdgas Mark Brandenburg (EMB) nach Potsdam.Der heute 52jährige Diplom-Kaufmann behielt diese Position bis zu seiner Rückkehr zur Gaz de France im Oktober 1997.

Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Karl Kauermann, bedankte sich bei Liebetrau für die "fachlich glänzende und auch menschlich sehr angenehme Zusammenarbeit." Daß Veränderungen im Gesellschafterkreis zu personellen Konsequenzen auf der Vorstandsseite führten, sei häufig der Fall.Daß dies im freundschaftlichen Einvernehmen mit Liebetrau geregelt werden konnte, zeige dessen "ausgeprägtes Verantwortungsgefühl gegenüber den Interessen des Unternehmens." Liebetraus Aufgabenerfüllung bezeichnete Kauermann als "untadelig."

Zur Ablösung des für Gaseinkauf zuständigen Reintjes hieß es lediglich, daß der noch bis November 1999 laufende Vertrag "auf Initiative der neuen Gesellschafter zum 1.Juni 1998 einvernehmlich beendet" wurde.Reintjes galt vielen im Unternehmen als "Ruhrgas-Mann": Der Essener Energiekonzern besitzt 11,95 Prozent der Gasag und ist größter Vorlieferant.Beim Privatisierungsverfahren hatte Gaz de France erklärt, auf der Seite des Gaseinkaufs Kosten einsparen zu können.

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