Gasag : Vorstandschef fällt über die Aktionäre

Vattenfall und GDF wollten Stefan Grützmacher loswerden. Nachfolgerin Gäde-Butzlaff muss den Netzkonflikt lösen.

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An zwei von drei Eigentümern gescheitert: Stefan Grützmacher.
An zwei von drei Eigentümern gescheitert: Stefan Grützmacher.Foto: promo

Am Ende ist Stefan Grützmacher die Unterstützung der Eigentümer abhanden gekommen. Jedenfalls der Mehrheit der Eigentümer. Und so benannte der Aufsichtsrat der Berliner Gasag am Freitag Vera Gäde-Butzlaff, die langjährige Chefin der Berliner Stadtreinigung (BSR), zu seiner Nachfolgerin. In einer Mitteilung des Gremiums heißt es, der Aufsichtsrat bedauere es, dass Grützmacher „sein Amt aufgrund unterschiedlicher Auffassungen zur Unternehmensführung niederlegt“.

Ganz falsch ist das nicht. In der Auseinandersetzung um die Konzession zum Betrieb des Gasnetzes hatte Grützmacher eine konzilianten Ton angeschlagen und war um einen Kompromiss mit dem Senat bemüht, der die Konzession im vergangenen Jahr der landeseigenen Berlin Energie zugeschlagen hat. Diese Vergabe war nicht rechtens, wie das Landgericht im Dezember befand. Ein Ausweg aus der nun ziemlich verfahrenen Situation könnte ein Kooperationsmodell sein, das den gemeinsamen Betrieb des Netzes von Gasag und Land Berlin vorsieht.

Die neue Gasag-Chefin kommt von der BSR und ist hochgeschätzt: Vera Gäde-Butzlaff.
Die neue Gasag-Chefin kommt von der BSR und ist hochgeschätzt: Vera Gäde-Butzlaff.Foto; Mike Wolff

Zwei von drei Gasag-Aktionären geht das offenbar nicht weit genug. Jedenfalls wollten Vattenfall und die französische GDF Suez eher Konfrontation als Kooperation und betrieben deshalb schon seit Monaten die Absetzung Grützmachers. Allerdings sträubten sich im Herbst noch der dritte Anteilseigner, der Düsseldorfer Eon-Konzern, sowie die Arbeitnehmervertreter und die Vertreter des Landes Berlin dagegen. Als dann aber die Grützmacher-Gegner mit Gäde-Butzlaff eine überzeugende Nachfolgerin gefunden hatten und Grützmacher selbst auch nicht gegen zwei von drei Anteilseignern weitermachen wollte, einigte man sich auf einen Auflösungsvertrag. Der aus Kiel stammende Grützmacher hatte die Gasag mit ihren gut 1200 Mitarbeitern seit 2012 geführt.

Gäde-Butzlaff war acht Jahre BSR-Chefin

Gäde-Butzlaff war Ende vergangenen Jahres als Vorstandsvorsitzende der BSR ausgeschieden. Die 60-jährige Juristin arbeitete in Berlin als Richterin und in Sachsen-Anhalt als Ministerialdirigentin und Umweltstaatssekretärin, bevor sie 2003 in den Vorstand der BSR kam; seit 2007 fungierte sie als Vorsitzende des Vorstands. Ein nicht sonderlich gutes Verhältnis zum damaligen BSR-Aufsichtsratsvorsitzenden, Ex-Finanzsenator Ulrich Nußbaum, soll eine Rolle bei ihrem Abgang gespielt haben, was sie aber dementierte. Nun ist Nußbaum weg, und sein Nachfolger Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) bemüht sich um anständige Beziehungen zu den landeseigenen Unternehmen. Dazu gehört die Gasag nicht – und doch ist auf den stark regulierten Energiemärkten und in Zeiten der Energiewende ein gutes Einvernehmen mit der Politik für jedes Unternehmen wichtig.

Das betont explizit der dritte Gasag-Eigentümer, Eon. Spekulationen, dass der Energieversorger womöglich seinen Gasag-Anteil verkaufen möchte, dementierte ein Sprecher. „Als größter Anteilseigner der Gasag übernimmt Eon seit Jahren Verantwortung für die Gas- und Energieversorgung Berlins, und dabei wird es bleiben.“ Eon hält 36,85 Prozent, Vattenfall und GDF jeweils 36,85 Prozent an der Gasag, die in Berlin rund 1200 Mitarbeiter beschäftigt.

Anders als die Franzosen und Schweden hat Eon vermutlich ein langfristiges Interesse an Berlin und der Region. Als Versorger (Edis) und Windenergieerzeuger ist Eon stark in Brandenburg tätig. Vattenfall dagegen bemüht sich gerade um den Verkauf der ostdeutschen Braunkohleaktivitäten, die Tagebaue und Kohlekraftwerke. Die Konzessionsvergabe für das Stromnetz in Berlin steht an, und falls Vattenfall das Netz verlieren würde, könnte das den Rückzug vom deutschen Markt forcieren.

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