Wirtschaft : Gasag will mehr Wettbewerb zulassen

Die Kunden sollen ihren Lieferanten künftig „nach Belieben“ wechseln können / Kritik an Preiserhöhung

Anselm Waldermann

Berlin - Der Berliner Gasversorger Gasag will im neuen Jahr für mehr Wettbewerb sorgen. Das kündigte das Unternehmen im Zusammenhang mit seiner Preiserhöhung an. Ab 1. Januar wird demnach eine eigene Netzgesellschaft Berlin Brandenburg (NBB) ausgegliedert. Deren Netz könnten dann auch andere Versorger nutzen und Privatkunden mit Gas beliefern. Bisher ist die Gasag auf dem Berliner Privatkundenmarkt Monopolist. „Jeder kann den Lieferanten künftig nach Belieben wechseln“, verspricht die Gasag. Allerdings könne sie nicht garantieren, „ob, wann und zu welchen Bedingungen sich andere Gasanbieter um Berliner Privatkunden bemühen“.

Verbraucherschützer begrüßten die Öffnung des Netzes. Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher rechnet aber damit, dass es noch mindestens ein Jahr dauern werde, bis sich andere Anbieter auf den Berliner Privatkundenmarkt wagen. Kritisch sieht Peters dagegen die Gaspreiserhöhung zum 1. Januar. „Die Erhöhung fällt sehr heftig aus“, sagte er dem Tagesspiegel, „vor allem, weil die Preise erst im Oktober gestiegen waren“. Damals hatte die Gasag eine neue Preisrunde für den Januar aber schon angekündigt. Trotzdem will Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) nun eine Prüfung durch das Landeskartellamt veranlassen.

Neu war diesmal das Vorgehen des Unternehmens. So teilte die Gasag die Preiserhöhung nicht auf einer Pressekonferenz sondern über Anzeigen in Berliner Tageszeitungen mit. Darin heißt es, dass Gas in allen Tarifgruppen je Kilowattstunde um 0,5 Cent – inklusive Mehrwertsteuer um 0,58 Cent – teurer wird. Mit ähnlichen Steigerungsraten müssen auch die Kunden der Gasag-Tochter Erdgas Mark Brandenburg (EMB) rechnen. Der monatliche Grundpreis bleibt dagegen stabil. Kunden, die sich im Herbst für den ein Jahr geltenden „Fix-Preis“ entschieden haben, sind von der Erhöhung nicht betroffen. Allerdings ist dieser Tarif nun laut Gasag „ausverkauft“.

Als Grund für die Teuerung nannte Unternehmensvorstand Andreas Prohl in den Anzeigen die weltweit steigende Nachfrage nach Gas. Dadurch habe sich der Importpreis seit Januar 2004 um rund 60 Prozent erhöht. „Nie war Energiesparen so wichtig wie heute“, heißt es in der Anzeige. Im deutschlandweiten Vergleich liege die Gasag mit ihren Preisen aber noch im unteren Bereich. Das Unternehmen empfiehlt seinen Kunden nun, den genauen Zählerstand vom 31. Dezember mitzuteilen, damit tatsächlich nur für das danach verbrauchte Gas der neue Preis berechnet wird.

Erstmals machte Prohl auch Angaben zur Zusammensetzung der Preise. Demnach entfällt ein Drittel des Endkundenpreises auf den Import, 30 Prozent gehen über Steuern und Abgaben an den Staat. Der Rest sei „unser Aufwand, der durch die Gasverteilung entsteht“, erklärte Prohl. „Unsere Gewinnmarge steigt durch die Preiserhöhung nicht. Gegenüber 2004 geht sie sogar zurück.“

Eine genauere Aufschlüsselung der Preiskalkulation werde die Gasag Ende Januar vorlegen. Verbraucherschützer hatten dies stets gefordert und deshalb auch eine noch anhängige Sammelklage gegen das Unternehmen vor Gericht gebracht. Der Hamburger Versorger Eon-Hanse hatte seine Preiskalkulation bereits vor einem Monat offen gelegt.

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