Wirtschaft : Gasag will Preiskalkulation offen legen

Versorger folgt Beispiel von Marktführer Eon/Verbraucherschützer: Gas könnte 30 Prozent billiger werden

Anselm Waldermann

Berlin - Die anhaltenden Proteste gegen die Gaspreiserhöhungen zeigen offenbar Wirkung: Deutschlands größter Energieversorger Eon will als erster Gaslieferant die Kalkulation seiner Gaspreise offen legen. Davon betroffen wären in Deutschland alle von Eon belieferten 1,1 Millionen Haushaltskunden. „Wir wollen unseren Kunden zeigen, dass wir nichts zu verbergen haben“, sagte Eon-Chef Wulf Bernotat. Die Gewinnmargen des Konzerns seien „nicht exorbitant, sondern eher bescheiden.“

Das Vorgehen des Marktführers dürfte Signalfunktion für die ganze Branche haben. So kündigte am Freitag auch der Berliner Versorger Gasag an, seine Preiskalkulation offen zu legen. „Wir begrüßen das Vorgehen von Eon ausdrücklich“, sagte ein Gasag-Sprecher dem Tagesspiegel. Im Rahmen der Sammelklage, die die Verbraucherzentrale Berlin gegen das Unternehmen anstrebt, werde die Gasag nun dem Beispiel von Eon folgen.

Die jüngsten Gaspreiserhöhungen hatten in ganz Deutschland für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. So hatten zahlreiche Kunden Widerspruch eingelegt oder sogar die Zahlung ihrer Rechnung verweigert. Auch hatten mehrere Verbraucherzentralen Sammelklagen durchgeführt beziehungsweise damit gedroht. In Berlin möchte die Verbraucherzentrale in diesen Tagen eine Klage vor Gericht bringen. Der Hauptvorwurf: Die jüngsten Preissteigerungen von bis zu 20 Prozent seien willkürlich und für die Kunden nicht nachvollziehbar. So argumentierten die Versorger zwar, dass sie nur ihre gestiegenen Einkaufspreise weiter gäben. Allerdings hat bisher kein Unternehmen bekannt gegeben, wo es wie viel Gas zu welchem Preis bezieht.

Diese Unklarheit will Eon nun offenbar beseitigen. Allerdings dämpfte Bernotat Erwartungen, dass durch die Offenlegung der Kalkulation die Gaspreise ins Rutschen kommen könnten. „Unsere Kunden werden sehen, dass hier alles andere als ein Missbrauch vorliegt“, betonte er. Die Rendite sei zuletzt sogar zurückgegangen, weil das Unternehmen die Preissteigerungen beim Gas-Einkauf nicht voll an seine Kunden habe weitergeben können. Ähnlich sieht das die Berliner Gasag: „Wir würden unsere Kalkulation nicht offen legen, wenn wir nicht sicher wären, dass sie vor Gericht Bestand hat“, sagte der Sprecher. Insgesamt hoffe die Gasag, dass dieser Schritt zur Versachlichung der Debatte beiträgt.

Eon will nun in einem ersten Schritt in diesem Monat die Preiskalkulation für die 500000 Haushaltskunden des norddeutschen Versorgers Eon-Hanse bekannt geben. Das Unternehmen steht in Hamburg unter besonderem Druck, da es Mitte September in der bundesweit ersten Sammelklage wegen angeblich überhöhter Gaspreise verklagt wurde. Das Gericht hatte nach dem ersten Verhandlungstag in einer vorläufigen Einschätzung erklärt, dass Eon-Hanse seine Gas-Bezugspreise sowie seine gesamte Preiskalkulation offen legen müsse.

Die übrigen Regionalversorger des Konzerns sollen dann in den nächsten Monaten folgen, sobald die Daten aufbereitet seien, erklärte Eon. Unabhängige Wirtschaftsprüfer sollen die Kalkulationen begleiten. Bernotat betonte, mit seiner Transparenz-Initiative trage der Energieversorger der besonderen Situation bei Haushaltskunden Rechnung, die anders als Stadtwerke, Industrie und Gewerbe ihren Gasanbieter noch nicht frei wählen können.

Verbraucherschützer begrüßten dieses Entgegenkommen. „Das ist durchaus löblich“, sagte Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher dem Tagesspiegel. Allerdings stelle sich die Frage, warum die Versorger erst jetzt reagierten, da sie unter dem Kontrolldruck der Gerichte und auch der Bundesnetzagentur stünden. Anders als die Versorger sieht Peters nun Spielraum, die Gaspreise für Endverbraucher um 20 bis 30 Prozent zu senken. Außerdem würden nun weitere Versorger dem Beispiel von Eon folgen. „Ihnen bleibt gar nichts anderes übrig“, sagte der Verbraucherschützer.

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