Gasindustrie : Im Osten steigt der Gasdruck

Die Russen treten auf der Berliner Konferenz so selbstbewusst auf wie seit Jahren nicht. Ihnen geht es nicht nur darum, ihre nach den Ausfällen Anfang 2009 angeknackste Reputation als verlässlicher Lieferant zu kitten.

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Berlin - Als Walerij Jasew am Freitag in einem Hinterzimmer des Hotels Adlon nach der Nabucco-Pipeline gefragt wurde, lächelte er nur und sagte: „Ich denke, Nabucco wird nicht so schnell vorankommen. Da geht es doch immer nur einen Schritt vor und einen zurück.“ Die Pipeline soll ab 2014 Gas aus dem Südkaukasus vorbei am russischen Einflussbereich nach Mitteleuropa transportieren.

Jasew ist der stellvertretende Vorsitzende der russischen Duma und zugleich Präsident der RGO, der mächtigen Dachorganisation der russischen Gasindustrie. In dieser Funktion hatte er rund 200 russische und europäische Gasmanager aus 30 Ländern nach Berlin eingeladen. Dieser „Energie-Dialog“ fand 2006 erstmals statt, am gestrigen Freitag zum fünften Mal. Nachdem die Konferenzteilnehmer im vergangenen Jahr noch ganz unter dem Eindruck der Lieferengpässe standen, zu denen es im Zuge des Streits zwischen Russland und dem wichtigsten Transitland Ukraine gekommen war, präsentierten sich die Russen diesmal überaus selbstbewusst. Man sei sich sicher, dass die Bedeutung Russlands für Europa nach zuletzt gesunkenen Marktanteilen wieder steigen wird, sagten viele Redner.

Zum Beleg der These verwies Jasew vor allem auf zwei Ereignisse: Die Wahl in der Ukraine im Januar, die den pro-russischen Kandidaten Viktor Janukowitsch Ende Februar zurück an die Macht brachte, weshalb die Russen jetzt sogar ernsthaft eine Fusion der nationalen Gasgesellschaften beider Länder anstreben. Zum Zweiten kam es im April zum offiziellen Baubeginn der Nord-Stream-Pipeline. Da brennt nichts mehr an. Bei Nabucco aber, dem Projekt von sechs EU- Staaten, soll die definitive Entscheidung nicht vor Dezember fallen.

Den Russen geht es nicht nur darum, ihre nach den Ausfällen Anfang 2009 angeknackste Reputation als verlässlicher Lieferant zu kitten. Der Staatsmonopolist Gasprom, der einen wichtigen Beitrag zum Staatshaushalt Russlands leistet, ist vor allem an verlässlichen Einnahmen interessiert. Doch von Preisstabilität konnte im Zuge der Weltwirtschaftskrise keine Rede mehr sein: Europas Industrie brauchte immer weniger Gas, die Spotmarktpreise fielen. Von daher ist Gasprom bestrebt, mit den Importeuren Verträge mit möglichst langen Laufzeiten und Fixpreisen abzuschließen. Gegen Versuche der Europäer, Öffnungsklauseln hineinzuschreiben, wehrt man sich.

In seiner Rede vor dem Managern der Gasbranche stichelte Jasew auch gegen die Konkurrenz der erneuerbaren Energien. In Bezug auf den Ausbau der Windkraft sprach er von „einem Problem, das nicht zu unserer Strategie passen kann“.

Und ganz so tot, wie Jasew es gern hätte, ist die EU-Pipeline Nabucco dann doch nicht. Der Essener Energiekonzern RWE, der Deutschland bei dem Projekt vertritt, meldete unlängst, dass man das wichtige Lieferland Turkmenistan als Partner gewonnen habe. Dazu sagte Jasew: „Die bei RWE sind sicher glücklich, dass sie in das Land hineingekommen sind. Das war uns bisher unmöglich. Die Frage ist nur, wie sie das Gas dort rausbekommen.“

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