Wirtschaft : Gasmarkt: Energieunternehmen fordern Regulierung

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Die Pläne der Bundesregierung, den Wettbewerb im deutschen Gasmarkt durch den Einsatz einer Regulierungsbehörde voran zu treiben, werden von den unabhängigen Energieanbietern unterstützt. Gut sechs Monate, nachdem sich die deutsche Gaswirtschaft mit Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) auf eine erste Verbändevereinbarung zur Liberalisierung des Marktes verständigt hat, ist nach Einschätzung eines der größten unabhängigen Energielieferanten in Deutschland, der Enron AG, so gut wie kein Wettbewerb erkennbar. "Der Einsatz einer Regulierungsbehörde ist dringend erforderlich", sagte Enron-Chef Andreas Radmacher am Mittwoch dem Tagespiegel. Sein Unternehmen habe eine ganze Reihe Anfragen großer Gaskunden, die nicht befriedigt werden können, weil sich die Verbände bisher nicht auf Regeln zur Durchleitung des Gases durch die Netze, auf akzeptable Durchleitungsentgelte und zur Nutzung von Gasspeichern verständigt hätten. "Der geschlossene Club der deutschen Gaswirtschaft mauert", konstatiert deshalb Radmacher. Enron habe im vergangenen Jahr unter anderem mit den Stadtwerken Heidelberg und Tübingen Lieferverträge abgeschlossen. Die Verhandlungen zur Durchleitung des Gases hätten gut sechs Monate gedauert und seien im Verlauf immer wieder an der Unwilligkeit etablierter Gasversorger, sich dem Wettbewerb zu stellen, behindert worden. Die Entgelte zur Durchleitung würden nun vom Bundeskartellkamt untersucht. Im Gegensatz zu vorangegangenen Äußerungen aus der Gaswirtschaft hat Enron mit seinen Kunden auch Verträge, bei denen der Gas- nicht an den Heizölpreis gekoppelt ist, abgeschlossen.

Branchenkenner Radmacher wies die Hoffnung zurück, dass es den Verbänden der Gaswirtschaft bei ihrer nächsten Arbeitstagung am 24. Januar gelingen könnte, die Verhandlungen zur so genannten Verbändevereinbarung II voran zu bringen. Erst diese Vereinbarung regelt konkret die Bedingungen für den Wettbewerb, die Durchleitung von Gas durch die Netze anderer Anbieter, die Preise dafür und die Nutzung von Gasspeichern von Wettbewerbern. Auch im deutschen Strommarkt gelang die Liberalisierung erst nach der Verabschiedung der Verbändevereinbarung II. Ende Dezember waren die Verbände der Gaswirtschaft ohne Aussicht auf einen Kompromiss bei den Verhandlungen auseinander gegangen. Daraufhin hatte der Bundeswirtschaftsminister damit gedroht, den Wettbewerb durch den Einsatz eines staatlichen Regulierers zu erzwingen. Seine Drohung hatte Müller am Dienstag in Berlin mit Blick auf die Verhandlungen der Verbände am 24. Januar noch einmal bekräftigt. Nach Einschätzung des Enron-Chefs ist mit einem Durchbruch allerdings nicht zu rechnen. Es sei allenfalls mit einer Zeitverzögerung zu rechnen. Er forderte deshalb vom Wirtschaftsminister, zeitnah über den Regulierer zu entscheiden.

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