Wirtschaft : Gasprom drängt auf den deutschen Markt

Der russische Staatskonzern will seine Beteiligungen erhöhen und in neue Unternehmen einsteigen / Gaspreis soll weiter steigen

Anselm Waldermann

Berlin - Der russische Gaskonzern Gasprom, für den Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) arbeiten wird, plant einen Einstieg auf dem deutschen Markt. „Wir wollen nicht nur als Lieferant von Erdgas fungieren, sondern näher an die Verbraucher heran kommen“, sagte der Deutschland-Chef von Gasprom, Hans-Joachim Gornig, dem Tagesspiegel. Ins Auge fasse man zum Beispiel Beteiligungen an deutschen Stadtwerken. „In den nächsten zehn Jahren wird es das bestimmt geben“, sagte Gornig. Dabei richte sich das Interesse auf die Versorger größerer deutscher Städte.

Der staatliche russische Gasmonopolist Gasprom ist derzeit vornehmlich als Exportgesellschaft tätig. Daneben hält das Unternehmen zwar bereits Anteile an großen deutschen Ferngasgesellschaften wie Wingas und VNG. Im Endkundengeschäft hingegen sind die Russen bisher nicht tätig. Das soll sich nun offenbar über die deutsche Gasprom-Tochter ZGG mit Sitz in Berlin (siehe Kasten) ändern, deren Geschäftsführer Gornig ist.

„Deutschland spielt für uns eine bedeutende Rolle“, sagte Gornig. „Deshalb wollen wir diverse Beteiligungen gerne ausbauen.“ Als Beispiel nannte er das ostdeutsche Ferngasunternehmen VNG mit Sitz in Leipzig, an dem Gasprom derzeit „leider nur fünf Prozent hält“. Daneben habe Gasprom aber auch das Ziel, den Endkundenmarkt zu erschließen. „So wie sich deutsche Unternehmen an russischen Gasfeldern beteiligen, wollen wir uns an deutschen Unternehmen beteiligen“, sagte Gornig.

„Wenn man die Kosten aus der Förderung mit 20 Einheiten bewertet, sind es an der Grenze Russlands vielleicht hundert Einheiten, in Deutschland beim Endkunden hingegen sind es schon 400 oder 500 Einheiten“, erklärte Gornig. „Der größte Teil der Wertschöpfung findet also in Deutschland statt.“ Und an eben diesen Weiterverkaufsstufen wolle Gasprom in Zukunft partizipieren. Allerdings stellte Gornig klar, dass es noch keine konkreten Pläne gebe. „Aktuell steht das nicht auf der Tagesordnung. Aber strategisch bietet sich das in den nächsten Jahren an.“

Was den Gaspreis in Deutschland betrifft, rechnet Gasprom tendenziell mit weiteren Steigerungen. „Wie beim Öl hängen die Preise in hohem Maße von der Marktentwicklung in der Welt ab, vor allem von der Nachfrage in China und Indien“, sagte Gornig. Außerdem lägen die Gasfelder immer weiter von den Verbrauchszentren entfernt. „Das erhöht die Transportkosten. In Westeuropa wird Gas langfristig also eher teurer.“

Dies könne sich auch schon im kommenden Jahr bemerkbar machen. „Heute ist der Gaspreis niedriger als der Ölpreis“, sagte Gornig. Weil der Gaspreis aber an den Ölpreis gekoppelt sei, könne es im kommenden Jahr noch Anpassungen geben. „Dies gilt im Übrigen unabhängig davon, ob eine Ölpreiskoppelung vertraglich festgelegt wurde, oder ob sie de fakto an den Energiebörsen vollzogen wird“, erklärte Gornig.

Die Kritik an der Berufung Schröders in den Aufsichtsrat der Ostsee-Pipeline wies der deutsche Gasprom-Chef zurück. Gasprom hält 51 Prozent der Anteile an dem Projekt, den Rest teilen sich die deutschen Konzerne Eon und BASF. „Aus russischer Sicht ist Schröders Bereitschaft eine große Ehre“, sagte Gornig. Er bestätigte, dass es die russische Seite war, die das Angebot an Schröder herangetragen habe. Wann dies geschehen sei, könne er aber nicht sagen. „Solche Entscheidungen werden in der Konzernzentrale in Russland getroffen.“

Ob Schröder neben seiner Funktion im Aufsichtsrat auch im operativen Geschäft tätig werde, steht Gornig zufolge noch nicht fest. Theoretisch wäre dies möglich, weil das Pipeline-Unternehmen seinen Sitz in der Schweiz hat und das Schweizer Gesellschaftsrecht eine solche Doppelfunktion zulässt. Außer dem Eintrag ins Handelsregister gebe es aber noch keinen verbindlichen Rechtsakt, sagte Gornig.

Zu Schröders Vergütung erklärte er, dass Aufsichtsratsvorsitzende bei ZGG gegenwärtig rund 10 000 Schweizer Franken (rund 6500 Euro) pro Jahr bekämen. Dies müsse aber nicht der Richtwert sein. „Bei Gasprom darf es auch andere Maßstäbe geben. Alles ist denkbar.“ So orientiere sich die russische Gasindustrie bei ihren Gehältern verstärkt an weltweiten Konkurrenten, zum Beispiel in den USA.

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