Wirtschaft : Gasprom erhöht Anteil an BASF-Tochter

Dafür werden Deutsche an Gasfeld beteiligt / Vertrag wird auf Merkels Reise nach Sibirien besiegelt

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Berlin - Mit einem Großaufgebot an Ministern und Topmanagern reist Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch zu den deutsch-russischen Konsultationen nach Tomsk. Sie wird von dem halben Kabinett und einer 20-köpfigen Wirtschaftsdelegation begleitet. Auf russischer Seite reist Präsident Wladimir Putin gar mit 19 Ministern in die westsibirische Stadt. Beobachter erwarten, dass eine Reihe von Firmen Verträge mit russischen Partnern abschließen.

Nach Informationen des Handelsblatts besiegelt die BASF einen Vertrag mit dem russischen Gaskonzern Gasprom über den Einstieg in das russische Gasfeld Yuschno Russkoje. Die BASF-Tochter Wintershall werde mit 35 Prozent an dem wirtschaftlichen Erfolg des Feldes beteiligt, heißt es in politischen Kreisen in Moskau. Das wäre mehr als ursprünglich erwartet. Da Gasprom mit knapp über 50 Prozent die Mehrheit hält, blieben für den dritten Partner, den deutschen Konzern Eon, nur knapp 15 Prozent des Ertrages.

Auch bei den Gesellschaftsanteilen will Gasprom die Mehrheit behalten. Alle anderen Partner wie etwa Wintershall sollen Minderheitsanteile erhalten, die bei weniger als 25 Prozent liegen. Damit hätten die ausländischen Partner nur gemeinsam eine Sperrminorität an dem Projekt.

Im Gegenzug verstärkt Gasprom seine angekündigte Expansionsstrategie außerhalb Russlands. So erhöht das Unternehmen seinen Anteil an der Gasvertriebsgesellschaft Wingas, einem Joint Venture mit Wintershall, von 35 auf 49 Prozent. Wingas verkauft russisches Gas bereits in Deutschland, Frankreich, Belgien, Österreich und Tschechien. Strategisch mindestens ebenso bedeutend ist, dass Gasprom von Wintershall auch Anteile an der Öl- und Gasförderung in Libyen erhält. Damit steigt der russische Konzern nun auch außerhalb Europas in die Rohstoff-Förderung ein. Auch der Energieversorger RWE verhandelt mit Gasprom über mögliche Kooperationen.

Das Thema Energie wird ohnehin einer der Schwerpunkte der deutsch-russischen Konsultationen sein. Verabredet werden soll unter anderem ein deutsch- russisches Energieforum in der zweiten Jahreshälfte.

Zu der nach Tomsk reisenden deutschen Wirtschaftsdelegation gehören unter anderem Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann, Eon-Chef Wulf Bernotat sowie Hans Reich, Chef der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Außerdem sind EADS, Siemens, die Deutsche Bahn, Metro, die Commerzbank und Fresenius vertreten. Aus dem Bundeskabinett reisen Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Wirtschaftsminister Michael Glos, Innenminister Wolfgang Schäuble, Finanzminister Peer Steinbrück und Umweltminister Sigmar Gabriel an. HB

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