Wirtschaft : Gasprom hat Angst vor Enteignung

Deutsche Tochter des Gaskonzerns kritisiert Pläne zur verschärften Regulierung / Gewinn steigt stark

Bernd Hops

Berlin - Gasprom hat die Pläne für eine schärfere Regulierung der Energiemärkte in Deutschland kritisiert. „Wir wünschen uns ein gutes Klima für Investitionen“, sagte Hans-Joachim Gornig, Chef der deutschen Gasprom-Tochter Gasprom Germania, am Dienstag bei Vorlage des Geschäftsberichts in Berlin. Stattdessen müssten die Unternehmen jetzt aber mit Enteignungen der Netztöchter rechnen. In solch einer Situation, „die wir nicht überblicken können“, lege Gasprom alle Aktivitäten, etwa über den Kauf von deutschen Stadtwerken auch direkt an die Endkunden zu kommen, auf Eis. Man sei verunsichert, sagte Gornig.

Die schärfere Aufsicht für Energieunternehmen ist an diesem Mittwoch Thema im deutschen Kabinett. Über schlechte Geschäfte kann Gasprom bislang allerdings nicht klagen. Für Deutschland ist Gasprom der wichtigste Lieferant. Der Erdgasabsatz von Gasprom Germania sei im vergangenen Jahr um 37,5 Prozent auf gut 395 Milliarden Kilowattstunden gestiegen, sagte Gornig. „Wir sind für die Zukunft gut gestärkt und gestimmt – trotz der vielfältigen politischen Einflussnahmen.“

Über seine deutsche Tochter Gasprom Germania bündelt der russische Staatskonzern Gasprom das Geschäft in West- und Osteuropa. Am Hauptsitz Berlin arbeiten 110 Beschäftigte. Der Umsatz kletterte laut Unternehmenschef Gornig 2006 – auch dank deutlich höherer Preise – um fast 87 Prozent auf 6,15 Milliarden Euro. Vor Steuern und Zinsen verdiente Gasprom Germania fast eine halbe Milliarde Euro nach 220 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Knapp 82 Millionen Euro Ertragsteuern wurden gezahlt. Wie viel davon an das Land Berlin ging, teilte Gasprom allerdings nicht mit.

Gasprom will in der Zukunft sein Geschäft in Europa weiter ausbauen. Bis 2020 seien etwa drei Milliarden Euro an Investitionen vorgesehen, sagte Gornig. Darin nicht enthalten seien zwei Milliarden, die Wingas – eine gemeinsame Tochter von Gasprom und dem BASF-Ableger Wintershall – in den deutschen Teil der geplanten Ostsee-Pipeline stecken will. Außerdem könnten die von Gasprom eingeplanten Investitionsmittel aufgestockt werden, sagte Gornig. „Unsere Wünsche sind sicherlich größer.“ Biete sich eine günstige Gelegenheit, werde man zugreifen. Erst im vergangenen Jahr hatte Gasprom Germania einen Anteil von knapp 20 Prozent an dem sibirischen Erdgasförderer Novatek übernommen. Durch den Kursanstieg der Novatek-Aktie habe man mittlerweile stille Reserven von einer Milliarde Dollar aufgebaut, sagte Gornig.

Trotz der generellen Investitionszurückhaltung in Deutschland will Gasprom sein hiesiges Engagement aber auf zwei Feldern ausbauen. Zum einen geht es um neue unterirdische Erdgasspeicher, die zusammen mit Partnerunternehmen errichtet werden sollen. Mit solchen Speichern werden Verbrauchsschwankungen – etwa bei der verstärkten Nachfrage im Winter – ausgeglichen. Sie dienen aber auch der Versorgungssicherheit für den Fall von Lieferengpässen. Zum anderen will der Konzern Kraftwerke errichten. Für ein erstes in Eisenhüttenstadt gibt es bereits Absichtsbekundungen. Unternehmenschef Gornig sagte: „Gasprom will ein horizontal und vertikal integrierter Energiekonzern sein. Das bezieht sich auch auf den Strommarkt.“ Es liege auf der Hand, dass das auch in Deutschland der Fall sein werde. „Das Thema wird wieder auf die Tagesordnung kommen“, sagte Gornig. Man sei aber noch nicht so weit, etwas verkünden zu können.

Gornig zeigte sich sicher, dass die umstrittene Ostsee-Pipeline („Nord Stream“) pünktlich zum Oktober 2010 fertig werde. Die baltischen Staaten, Polen, Finnland und Schweden machen derzeit schwere Umweltbedenken geltend und verzögern so den Fortschritt. Vor allem bei den kleinen baltischen Ländern gibt es daneben Sorgen, Russland könne Gaslieferungen an sie in Zukunft leichter als Druckmittel einsetzen, wenn Westeuropa dann ohne Probleme weiter versorgt werden könne.

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