Gasstreit : Gasprom bereitet Blockade Weißrusslands vor

Wegens des Gasstreits mit Weißrussland sucht der russische Gasmonopolist Gasprom nach Alternativen zur Versorgung Europas für den Fall, dass Minsk den Transit nach Europa unterbricht.

Moskau - Der Konzern verhandele mit der Ukraine, um die Lieferungen durch das Nachbarland zu erhöhen, berichtete die russische Tageszeitung "Kommersant". Die Gaslieferungen über die Ukraine könnten jedoch höchstens um vier bis fünf Prozent gesteigert werden. Auch Deutschland bezieht sein Gas hauptsächlich über die Ukraine.

Gasprom-Chef Alexej Miller hatte am Mittwoch gedroht, Minsk am 1. Januar das Gas abzudrehen, sollte bis dahin keine Einigung gefunden sein. Die weißrussische Führung drohte indirekt damit, dann die Transitpipelines nach Westeuropa zu sperren.

Polen, Litauen und Lettland betroffen

Russland pumpt der Nachrichtenagentur Interfax zufolge jährlich 44 Milliarden Kubikmeter Gas durch Weißrussland nach Westen. Das sind 29 Prozent des russischen Gasexports. Wichtigster Gasstrang ist die Jamal-Europa-Pipeline, durch die Gasprom Gas aus Westsibirien nach Europa liefert.

Sollte Weißrussland am 1. Januar tatsächlich die Transitpipelines kappen, wären nach Ansicht russischer Experten vor allem die russische Exklave Kaliningrad, Polen, Litauen und Lettland betroffen. Deutschlands Versorgung sei weiter gesichert.

Minsk hofft zwei Wochen durchzuhalten

In Weißrussland selbst bereitet sich der Energieversorger Belenergo nach Informationen des "Kommersant" darauf vor, seine Kraftwerke vom 1. Januar an von Gas auf Heizöl umzustellen. Minsk hoffe, eine Gasblockade etwa zwei Wochen ohne Probleme durchhalten zu können. Das Land bezieht sein Gas fast vollständig aus Russland.

Die Ukraine hatte im vergangenen Winter den Lieferstopp von Gasprom nur drei Tage durchgehalten. Dann einigten sich beide Seiten. Weil die Ukraine auf Transitgas zurückgriff, kam in Westeuropa vorübergehend weniger Gas an. (tso/dpa)

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