Gastkommentar : Weg mit den Bremsklötzen beim BER!

Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern. Die Politik muss nun dafür sorgen, dass der BER ein Erfolg wird, fordert der Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der International Air Transport Association.

Tony Tyler
Der Berliner Flughafen soll ein Erfolg werden, trotz aller Wirren. Das verlangt der Weltdachverband IATA.
Der Berliner Flughafen soll ein Erfolg werden, trotz aller Wirren. Das verlangt der Weltdachverband IATA.Foto: dpa

Die Nachricht, dass der Flughafen Berlin-Brandenburg am 27. Oktober 2013 in Betrieb geht, gibt den Fluggesellschaften die dringend erforderliche Planungssicherheit. Dennoch trifft der verzögerte Eröffnungstermin die deutsche Luftfahrtindustrie und die gesamte deutsche Wirtschaft hart. Durch die erneute Verschiebung steigen die Kosten für den neuen Flughafen auf etwa 4,3 Milliarden Euro, damit müssen die Steuerzahler etwa doppelt so viel wie ursprünglich geplant aufwenden. Hinzu kommt: Den Bürgern und Unternehmen steht ein weiteres Jahr mit mangelhaftem Service am überlaufenen Flughafen Tegel bevor.

Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern. Deshalb müssen wir die Verzögerung und die Mehrkosten dadurch ausgleichen, dass wir einen noch größeren Erfolg des Flughafens bei seiner Eröffnung sicherstellen. Die Erreichbarkeit aus der Luft ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für Berlin. Die politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen der Hauptstadt leben von der Luftfahrt. Die Branche leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass die am dritthäufigsten besuchte Metropole in Europa ein beliebtes Ziel für Touristen und Geschäftsreisende bleibt.

Tony Tyler
Tony TylerFoto: IATA

Leider reichen die Probleme der deutschen Luftfahrtindustrie über die Terminverzögerung beim Flughafen Berlin-Brandenburg hinaus. Die Luftverkehrssteuer, die nahezu eine Milliarde Euro generiert, ist ein Wettbewerbsnachteil für Deutschland, weil so die Kosten für Anschlussflüge erhöht werden. Auch der Widerstand gegen eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen und gegen die volle Ausnutzung der verfügbaren Kapazitäten in Frankfurt am Main hemmt Verkehre. Die Einbindung der internationalen Luftfahrt in den EU-Emissionshandel gefährdet die Anbindung an Handelspartner.

Die Grundpfeiler der Wirtschaftspolitik müssen daher sein: die Reduktion oder Abschaffung der Luftverkehrssteuer, eine weltweite einheitliche Emissionsregelung in der Luftfahrt und die Sicherstellung nachfragegerechter Kapazitäten bei der Infrastruktur. Dieser Ansatz würde für den neuen Flughafen in Berlin und die Wirtschaft sowohl in der Hauptstadt als auch in Deutschland eine umso aussichtsreichere Zukunft garantieren.

Der Autor ist Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der International Air Transport Association (IATA), des Weltdachverbands der Fluggesellschaften.

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