Gastronomie : Matjesbrötchen für die Chinesen

Deutsche Gastronomiemarken drängen nach China. Die Restaurantkette Nordsee prüft derzeit, ob sie auf den schnell wachsenden Markt geht. Beim Feinkost-Spezialisten Käfer sind die Pläne schon weiter.

F. Mayer-Kuckuk,C. Kapalschinski
Nordisch. Chinesen essen alles, heißt es. Aber auch Hering mit Zwiebeln?
Nordisch. Chinesen essen alles, heißt es. Aber auch Hering mit Zwiebeln?Foto: ddp

Firmenchef Michael Käfer hat eine Absichtserklärung unterschrieben. Mit einem chinesischen Lizenznehmer will er ein Restaurant eröffnen. „Es geht in Schanghai eher um Rehrücken mit handgeschabten Spätzle als um Eisbein mit Sauerkraut“, sagte Käfer dem „Handelsblatt“.

Der chinesische Gastronomie-Markt wächst rasant. „Vor allem Restaurants im westlichen Stil haben ein enormes Potenzial“, sagt Unternehmensberater Christian Paul von Alix Partners in Schanghai. Einer aktuellen Alix-Studie zufolge wollen die Chinesen rund 40 Prozent ihrer Auswärtsmahlzeiten in westlichen Restaurants einnehmen. Es hakt aber am Angebot: Der Marktanteil westlicher Anbieter liegt nur bei einem Prozent. Speziell für Nordsee sieht Paul gute Chancen. „Chinesen mögen Seafood“, sagt der Branchenexperte. Die Größe des chinesischen Marktes für Restaurantmahlzeiten gibt Alix derzeit mit rund 230 Milliarden Euro bei Wachstumsraten zwischen zehn und zwanzig Prozent an.

Im Umfeld von Nordsee heißt es, man habe vor Ort bereits über den Markteintritt gesprochen. Der Gang nach Asien sei aber noch nicht beschlossen. Ein Sprecher der Nordsee-Holding HK des ehemaligen Großbäckers Heiner Kamps in Düsseldorf bestätigte erste Überlegungen, nach China zu expandieren. Nordsee betreibt das bisherige Auslandsgeschäft über Franchise-Nehmer. „Auch in China würde es wahrscheinlich so ablaufen“, hieß es bei Nordsee. Die Kette hat bislang 37 Standorte außerhalb Deutschlands und Österreichs. Sie standen 2009 für drei Prozent des Umsatzes von 353 Millionen Euro. Für einen gelungenen Markteinstieg in China empfiehlt Alix Partners die Kooperation mit einem örtlichen Partner – die chinesischen Restaurantbetreiber kennen die Vorlieben und Hindernisse in dem Land viel besser.

Der Markt hat auch bereits einige Fehlschläge westlicher Anbieter gesehen. Die US-Ketten T.G.I. Friday’s und Outback Steakhouse sind nicht vorangekommen und stagnieren bei je zwei Filialen. Außer KFC, McDonalds und Pizza Hut konnte bisher noch keine der bekannten ausländischen Ketten eine nennenswerte Marktposition aufbauen.

Die gesamte Branche beneidet die Erfolgsgeschichte des Frittierhähnchenspezialisten KFC. Seit dem Markteintritt 1987 ist die US-Braterei in China zur größten Gastrokette des Landes aufgestiegen. Die Gewinnmarge der Restaurants liegt bei etwa 20 Prozent, jede der weit über 2000 Filialen macht etwa eine Million Dollar Umsatz.

Auch Nordsee setzt zunehmend auf internationale Expansion. 2011 könnten erstmals Filialen in Zypern, eventuell auch in Luxemburg, Belgien und Norditalien eröffnen, heißt es bei dem Unternehmen. Käfer plant ebenfalls großes Wachstum im Ausland: Von derzeit 15 Prozent soll die Quote am Umsatz auf 30 Prozent steigen. Wachstum wäre willkommen: Die Gruppe erzielte 2009 einen Umsatz von 98,5 Millionen Euro – 15 Millionen weniger als im Jahr zuvor.

Die Feinkost-Gruppe ist bislang im Ausland als Partyservice der Formel-1-Strecke in Bahrain aktiv. In Basel sucht sie derzeit Personal für ihren Service in der dortigen Messe. In Doha will Käfer im Januar einen Vertrag für einen Feinkostladen mit Gastronomie unterschrieben. Fällt die Marktforschung dort positiv aus, könne er 2011 eröffnen, sagte eine Sprecherin. Nächstes Ziel ist Amerika.

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