Wirtschaft : Gasverbraucher haben die Wahl

Die Gasag hat in Berlin Konkurrenz bekommen – wann es sich lohnt, den Versorger zu wechseln

Anselm Waldermann

Berlin - In den Gas-Markt kommt Bewegung: Seit diesem Sommer haben Verbraucher erstmals die Möglichkeit, ihren Anbieter frei zu wählen. Bisher waren die Kunden an ihren örtlichen Monopolisten gebunden, in Berlin also an die Gasag. Doch auch der Wettbewerb hat seine Tücken. Der Tagesspiegel erklärt, worauf Sie achten sollten.

WELCHE ANBIETER GIBT ES?

Neben der Gasag haben sich bisher zwei Anbieter auf den Berliner Markt vorgewagt: Nuon und Klickgas. Nuon ist ein niederländischer Energiekonzern, der in Berlin auch Strom anbietet („Lekker Strom“). Klickgas ist ein Produkt der Deutschen Erdgashandelsgesellschaft. Diese befindet sich im Besitz der Thüga, die wiederum mehrheitlich zum Energiekonzern Eon gehört. Interessanterweise ist die Thüga zu einem Drittel auch an der Gasag beteiligt. Daneben hat noch Flexgas einen Eintritt auf den Berliner Markt angekündigt. Bisher ist es jedoch bei der Ankündigung geblieben.

WIE FUNKTIONIERT DER WECHSEL?

Die Formalitäten übernimmt der neue Anbieter. Es genügt also, mit diesem Kontakt aufzunehmen, die Abmeldung beim alten Gasversorger erfolgt dann automatisch. Eine Unterbrechung der Gasversorgung ist ausgeschlossen. Allerdings ist der Wechsel derzeit nur zum 1. Oktober möglich. Nuon und Klickgas begründen dies mit den begrenzten Transportkapazitäten im Erdgas-Leitungsnetz. Wegen einer Bearbeitungszeit von vier bis sechs Wochen müssen sich interessierte Verbraucher deshalb noch in diesem Monat für einen Anbieterwechsel entscheiden. Wer hingegen innerhalb der Gasag seinen Tarif ändern möchte, kann dies bei Einhaltung der Kündigungsfristen jederzeit tun.

WAS MUSS MAN BEACHTEN?

Man sollte in jedem Fall die Nebenbedingungen lesen. So ist teilweise eine Einzugsermächtigung nötig, außerdem gibt es unterschiedliche Mindestlaufzeiten (siehe Grafik). Wichtig sind auch mögliche Preisgarantien: Bei tendenziell steigenden Energiepreisen kann es durchaus Sinn machen, einen etwas teureren Tarif zu wählen, der aber künftige Erhöhungen ausschließt. Entscheidend ist aber der persönliche Gasbedarf. Nur wer den kennt, kann die verschiedenen Angebote tatsächlich vergleichen. Dabei kommt es nicht auf den Eurobetrag der letzten Rechnung an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden. Wegen des besonders kalten Winters 2005/06 nimmt man am besten den Durchschnittswert der letzten Jahre.

FÜR WEN LOHNT SICH EIN WECHSEL?

Das hängt sehr stark vom individuellen Verbrauch ab. Wer Gas zum Beispiel nur zum Kochen verwendet, sollte im gesetzlichen Tarif der Gasag bleiben. Wer hingegen – wie die meisten Berliner – den Gasag-Tarif Vario II bezieht, stellt sich bei einem Wechsel zu Nuon in jedem Fall besser. Noch besser fährt man allerdings mit dem Gasag-Tarif Aktiv – vorausgesetzt, man legt keinen Wert auf eine Preisgarantie.

WIE VIEL KANN MAN SPAREN?

Bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden zahlt man im Tarif Vario II der Gasag 1295 Euro, bei Nuon sind es 1279 Euro. Die Ersparnis beträgt also 16 Euro im Jahr. Mit Gasag-Aktiv müsste man allerdings noch weniger zahlen: 1234 Euro. Deutlich teurer ist hingegen Klickgas mit 1330 Euro – allerdings ist man hier für 24 Monate vor Preiserhöhungen sicher. Wer zu Nuon oder Klickgas wechselt, erhält außerdem noch eine Prämie von 50 Euro. Dies ist jedoch nur eine Einmalzahlung für das erste Jahr.

WAS RATEN VERBRAUCHERSCHÜTZER?

„Man sollte nichts überstürzen“, sagt Gabriele Francke von der Verbraucherzentrale Berlin. Wer in der Vergangenheit mit der Gasag unzufrieden gewesen sei, solle nun „nicht einfach aus Wut wechseln“. Vielmehr müsse man kühl nachrechnen, welches Angebot sich tatsächlich lohnt. Im Übrigen könne man bei einem sorgsamen Umgang mit Energie oft mehr sparen als bei einem Anbieterwechsel.

WAS IST, WENN DER MIETER WECHSELN MÖCHTE, DER VERMIETER ABER NICHT?

In manchen Wohnhäusern ist die Gasversorgung zentral geregelt. In diesem Fall ist der Vermieter für die Wahl des Anbieters zuständig. „Die Mieter haben dabei keinen Anspruch auf Mitsprache“, sagt Michael Roggenbrodt vom Mieterverein Berlin. Nur wenn man dem Vermieter unwirtschaftliches Verhalten nachweisen kann, gibt es die Möglichkeit zum Widerspruch. „Bei den geringen Preisunterschieden ist das aber kaum möglich“, sagt Roggenbrodt. Wer hingegen eine Gasetagenheizung hat, kann ohnehin selbst entscheiden, von wem er sein Gas bezieht.

WAS PASSIERT, WENN DER NEUE GASANBIETER PLEITE GEHT?

In diesem Fall springt automatisch der örtliche Versorger ein – in Berlin also die Gasag. Frieren muss im Winter deshalb niemand. Mögliche Vorauszahlungen an den insolventen Anbieter sind dann allerdings verloren.

WIE REAGIERT DIE GASAG AUF DEN WETTBEWERB?

Bisher teilen weder Nuon noch Klickgas mit, wie viele Kunden sie schon gewonnen haben. Trotzdem ist man bei der Gasag auf der Hut. „Wir nehmen das sehr ernst“, sagt eine Sprecherin. So will das Unternehmen ab Oktober wieder seinen Fix-Tarif mit Preisgarantie anbieten. „Auch sonst haben wir einiges in Planung“, sagt die Sprecherin. Möglich sei zum Beispiel ein reines Internetprodukt.

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