Gasversorger Gasag : Berlins Politik und Petrus sorgen für Unruhe

Der mögliche Rückkauf des Versorgers Gasag durch das Land Berlin sorgt für Unruhe in Berlin. Die neue Chefin Vera Gäde-Butzlaff bleibt augenscheinlich cool - und muss verhagelte Zahlen ihres Vorgängers präsentieren.

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Mit den Worten: „Es ist ja viel über uns geschrieben worden in letzter Zeit“ leitete Vera Gäde-Butzlaff am Donnerstag ihre erste Bilanzpressekonferenz als Chefin der Berliner Gasag ein. „Und ich freue mich sagen zu können, dass wir unverdrossen weitergearbeitet haben in dieser Zeit.“

Gasag-Chefin Vera Gäde-Butzlaff führte bis Ende 2014 die Berliner Stadtreinigung BSR.
Gasag-Chefin Vera Gäde-Butzlaff führte bis Ende 2014 die Berliner Stadtreinigung BSR.Foto: Wolfgang Kumm/dpa


Das ist offenbar nicht allen bei der Gasag ganz leicht gefallen. Denn das, worüber zuletzt geschrieben worden ist, hatte zwar viel mit der Gasag, aber wenig mit dem Kerngeschäft des 1847 gegründeten Energieversorgers zu tun. Es geht um die Machtverteilung der drei Eigentümer Vattenfall, Eon und GdF Suez, es geht um politischen Einfluss und Profilierungssehnsucht innerhalb der rot-schwarzen Koalition des Landes Berlin. Dieses Gerangel sorgt auch für Unruhe unter den Mitarbeitern. Um mit dieser speziellen Situation umzugehen, hatten die drei Eigentümer zum März Gasag-Chef Stefan Grützmacher durch Gäde-Butzlaff ersetzt. Die sollte als langjährige Chefin der Berliner Stadtreinigung BSR wissen, wie man mit Ansprüchen der Berliner Landespolitik umzugehen hat.

SPD will 100 Prozent
Entsprechend cool blieb sie am Donnerstag auch bei den Fragen zu den jüngsten Beschlüssen der Senatsklausur zu Energiethemen am vergangenen Dienstag. Dort hatten sich CDU und SPD am Ende einer Sitzung, die mehrfach vor dem Abbruch stand, auf die Formulierung geeinigt, das Land strebe 17 Jahre nach der Privatisierung wieder „maximalen Einfluss“ bei der Gasag an. Darunter lässt sich alles mögliche verstehen – von einem Rückkauf von 100 Prozent der Anteile (SPD-Position) bis hin zu einer lockeren Kooperation und einer bescheidenen Landesbeteiligung von 25,1 Prozent an dem Gasnetz, die die Gasag eh im Rahmen ihrer Bewerbung um die Konzession in Aussicht gestellt hat (CDU-Position).


Wer also wird Eigentümer – oder bleibt gar alles wie es ist? „Auch wenn es uns nicht leicht fällt: Bei dem Thema können wir nur zuschauen“, sagte Gäde-Butzlaff – und wählte eine beliebte Formulierung, die genau so auch schon ihr Vorgänger Grützmacher gebraucht hatte: „Ein Vorstand sucht sich nicht seine Eigentümer aus, sondern die Eigentümer ihren Vorstand.“ Eigentlich sei es egal, ob privat oder landeseigen, behauptete Gäde-Butzlaff. „An unserer Absicht ändert die Eigentümerfrage nichts: Wir wollen der führende Energiewendepartner für das Land Berlin werden.“

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