Wirtschaft : Gazprom: Ein Deutscher kontrolliert Russlands größtes Unternehmen (Kommentar)

Vanessa Liertz

Das hat es noch nicht gegeben: Im Kontroll-Gremium der Gazprom, dem größten Unternehmen Russlands, sitzt jetzt ein Deutscher. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Ruhrgas AG, Burckhard Bergmann, gehört seit Freitag dem Aufsichtsrat des Gasproduzenten an. Dies ist ein großer Vertrauensbeweis gegenüber der Ruhrgas, die mit dem russischen Unternehmen seit Jahrzehnten über Handelsverträge verbunden ist. Manche Beobachter vermuten, die Russen wollten die Deutschen mit dieser Geste nur dazu animieren, demnächst doch mehr Anteile zu erwerben. Bisher hält der Essener Gaslieferant vier Prozent an Gazprom. Immer wieder kursieren Gerüchte, die Russen würden gern mehr verkaufen. Wie auch immer: Die Geste aus Moskau macht Hoffnung. Sie spricht auch für die neue Regierung, die über ihr Aktienpaket von rund 38 Prozent den Kurs des Gasmonopolisten entscheidend mitbestimmt. Denn bis vor kurzem galt es noch als undenkbar, dass die Ruhrgas im Kontroll-Gremium vertreten sein könne - wie es überhaupt kaum jemand für möglich gehalten hätte, dass ein Ausländer als kleiner Anteilseigner auch Mitspracherecht im Unternehmen erhalten könnte. Denn nur wer acht Prozent an Aktien hält, dürfe mitbestimmen, hatte es damals geheißen. Jetzt nicht mehr. Seit neuestem sitzt auch German Gref, Minister für wirtschaftliche Strategie, in dem Kontroll-Gremium. Er ist der Mann, der für wirtschaftlichen Aufbruch in Russland steht. Freilich: Die noble Geste ist das eine. Für mehr Effizienz bei der Gazprom muss aber der Vorstand sorgen.

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