Wirtschaft : Gazprom hat keinen Botschafter mehr

Vladimir Kotenev verlässt das Unternehmen Gründe werden nicht genannt

Elisabeth Binder/Corinna Visser
Nicht mehr im Amt. Seit Sommer 2010 war Vladimir Kotenev Hauptgeschäftsführer von Gazprom Germania. Foto: ddp
Nicht mehr im Amt. Seit Sommer 2010 war Vladimir Kotenev Hauptgeschäftsführer von Gazprom Germania. Foto: ddpFoto: ddp

Berlin - Er war nicht einmal ein Jahr im Amt. Nun ist Vladimir Kotenev, ehemals Botschafter Russlands und bekannt als Gastgeber glamouröser Feste in Berlin, seinen Posten als Chef der Gashandelsgesellschaft Gazprom wieder los. Die Nachricht war der Gesellschaft nicht einmal eine Pressemitteilung wert. Nur wer sich auf der Internetseite direkt über die Geschäftsführung informieren wollte, fand dort ein paar deutliche Worte: „Der Gesellschafter OOO Gazprom Export hat mit Wirkung zum 01. Juni 2011 beschlossen, dass Herr Vladimir Kotenev als Hauptgeschäftsführer der Gazprom Germania GmbH abberufen wird. Damit erlischt auch die Befugnis von Herrn Kotenev, die Gesellschaft Gazprom Germania GmbH zu vertreten.“

Im Laufe des Dienstagnachmittag wurde der letzte Satz gestrichen und durch die etwas freundlichere Formulierung „Die Entscheidung erfolgte im gegenseitigen Einvernehmen“ ersetzt. Mehr war auf Nachfrage beim Unternehmen nicht zu erfahren. Gazprom Germania ist eine Tochter der russischen Gazprom, des weltgrößten Gaskonzerns. 2009 setzte das Unternehmen mit Sitz in Berlin mehr als acht Milliarden Euro um, bei einem Jahresergebnis von fast 500 Millionen Euro. Ob die Geschäfte zuletzt schlechter liefen, ist offen, denn neuere Zahlen gibt es nicht.

Gegenseitig war das Einvernehmen aber nach Ansicht von Firmeninsidern schon lange nicht mehr. Kenner des Unternehmens an der Berliner Markgrafenstraße sagten dem „Handelsblatt“, Kotenev habe seinen im Juli 2010 angetretenen Job „falsch eingeschätzt“ und habe Probleme mit seiner neuen Position als Manager. Mit seinem Partner in der Geschäftsführung, Andrej Birjulin, der von der Muttergesellschaft Gazprom Export gekommen sei, habe er keine gemeinsame Linie gefunden.

Als Kotenev vergangenen Sommer nach sechs Jahren seinen Botschafterposten verließ, wurde erst spekuliert, dass er als Gazprom-Chef in gewohnter Manier auch das Image des Unternehmens auf Hochglanz polieren sollte. Zusammen mit Ehefrau Maria hat er in seiner Zeit als Botschafter mit glamourösen Veranstaltungen wie dem deutsch-russischen Wirtschaftsball eine neue Seite Russlands gezeigt. Die Charme-Offensive schien sich fortzusetzen, als er im August 2010 in seiner neuen Funktion als Gazprom-Hauptgeschäftsführer Prominente wie Thomas Gottschalk, Günther Jauch, Lothar de Maizière und Jette Joop bei der Potsdamer Schlössernacht zu Gast hatte. Danach wurde es freilich ruhiger. Ursprünglich wollte der langjährige Diplomat das kulturelle Engagement des Unternehmens stärken. Das gelang nicht, jedenfalls nicht mit spektakulären Veranstaltungen, die in Unternehmenskreisen offenbar nicht so gern gesehen wurden wie in der Politik.

Zu seinem Abschied als Botschafter hatte die Unternehmerin und Ex-Politikerin Margarita Mathiopoulos einen Empfang ausgerichtet, bei dem auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) die Verdienste des Botschafters würdigte. „Ich habe Vladimir Kotenev heute Morgen gesprochen, und er war bester Dinge. Er freut sich auf eine neue Aufgabe“, sagte Mathiopoulos, Vorstandsvorsitzende der Unternehmensberatung Aspide, am Dienstag dem Tagesspiegel. „Aus dem Gazprom-Statement sollte man keine voreiligen Schlüsse ziehen. Die Kommunikationsformen in beiden Ländern sind einfach unterschiedlich.“ Auf welche neue Aufgabe Kotenev sich freut, wollte sie nicht verraten. Elisabeth Binder/Corinna Visser

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