Wirtschaft : Gazprom lässt nicht locker

Russischer Monopolist drängt ins lukrative Endkundengeschäft in Deutschland

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Moskau - Widerstand des Bundeskartellamts sei programmiert. Letztendlich werde Berlin dem Geschäft jedoch zustimmen, glauben russische Branchenkenner. Es geht um eine Beteiligung von Gazprom an deutschen Stromversorgern. Mit dem Energiekonzern RWE verhandelte Gazprom-Chef Alexej Miller am vergangenen Freitag in Paris. Auch RWE-Rivale Eon buhlt um das Geld des staatsnahen russischen Gasexportmonopolisten.

Miller rühmte hiesigen Medien jetzt gegenüber bereits die neue Qualität partnerschaftlicher Beziehungen mit deutschen Unternehmen. Und RWE-Chef Jürgen Großmann erklärte der Nachrichtenagentur RIA Nowosti, es stehe ausländischen Unternehmen frei, deutschen Konzernen ein Übernahmeangebot zu machen. Gazprom, mit dem RWE seit Jahren „gute und verlässliche Geschäfte“ mache, sollte dabei nicht diskriminiert werden.

Diskriminiert fühlen sich hiesige Unternehmen seit vielen Jahren. Denn die EU-Kommission in Brüssel wie das Bundeskartellamt legten sich bisher quer gegen den Einstieg russischer Konzerne bei wichtigen EU-Unternehmen.

Die Befürchtung ist verbreitet, dass sich Russland zum Dumping-Tarif auch Zugriff auf Hightech verschafft. Präsident Dmitri Medwedew und Premier Wladimir Putin gaben das schließlich offen zu, als es vor zwei Jahren um eine russische Beteiligung an der Rettung des Autobauers Opel ging. Beide Politiker sind sich bewusst, dass ihre Modernisierungspläne für Russlands Wirtschaft und Infrastruktur ohne westliches Know-how reine Absichtserklärungen bleiben.

Gazprom speziell will nicht mehr nur einfacher Lieferant bleiben und drängt nun stärker in das lukrative Geschäft mit den Endkunden auf dem westeuropäischen Strom- und Gasmarkt.

Die Chancen dafür stehen derzeit besser denn je. Der von der Bundesregierung beschlossene Ausstieg aus der Atomenergie könnte für die deutschen Stromversorger mit hohen Verlusten in Milliardenhöhe zu Buche schlagen. Die Unternehmen müssten sich daher beizeiten finanzstarke Partner im Ausland mit ins Boot holen. Allen voran RWE, das durch interne Probleme in den letzten Monaten Verluste von über 13 Milliarden Euro angehäuft hat.

Gegen eine Gazprom-Beteiligung sprechen indes vor allem politische Gründe. Deutschland bezieht immerhin 32 Prozent seiner Gasimporte aus Russland – den Löwenanteil von Gazprom, das ein Sechstel aller weltweit erkundeten Vorkommen kontrolliert. Die daraus resultierende Abhängigkeit würde durch eine Gazprom-Beteiligung an deutschen Unternehmen noch zunehmen. Die Russen erhielten Zugriff auf Infrastruktur – vor allem auf Gaspipelines und Hochspannungsleitungen.

Und allein mit dem Aufmischen der Strombranche wollen sich Russlands Gasbarone offenbar nicht zufrieden geben. Bis zu 30 Milliarden Euro pro Jahr wollen sie künftig in die Expansion ihres Konzerns investieren. Auf ihrer Einkaufsliste steht unter anderem die PCK-Raffinerie in Schwedt/Oder. Geplant ist dazu ein Aktientausch mit dem italienischen Staatskonzern ENI, der 8,3 Prozent der Schwedter Anteile hält. Elke Windisch

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